Leser schauen über den Tellerrand.

„Mit Büchern bin ich aus der Wirklichkeit geflohen; mit Büchern bin ich in sie zurückgekehrt. Ich habe, lesend, meine Umgebung vergessen, um die Umgebungen anderer zu erkunden. Auf Sätzen bin ich durch Zeiten gereist und rund um die Erde. Bücher haben mir Angst gemacht, und Bücher haben mich ermutigt.“

(Peter Härtling, Mein Lesebuch)

Was will uns Peter Härtling damit sagen?

Er beschreibt, was ihm das Lesen und Bücher bedeutet. Ein Buch ist wie eine andere Welt, in die man eintauchen kann, sobald man den Buchdeckel hebt und auf die erste Seite sieht. Jeder Buchstabe, jedes Wort bilden einen Satz, in dem Phantasie steckt, die die Menschen zum Träumen einlädt. Eine Welt, die sich von der Realität abgrenzt und uns für einen Moment vergessen lässt, dass die Arbeit heute stressig war, das der Nachbar seine Kinder schon wieder anbrüllt, das die Großmutter leider von uns gegangen ist, dass das Auto schon wieder kaputt ist. Ein Buch, eine liebevoll geschriebene Geschichte, kann dir Trost spenden, weil du dich vielleicht selbst darin wiederfindest und feststellst, dass es doch nicht alles schlecht ist. Dass es der Figur in deinem Buch genauso ergeht und sie sich eisern durch ihr Tief kämpft, dir vielleicht sogar Wege aufzeigt, die du selbst versuchen kannst. Bücher können vollgestopft mit rosaroten Wolken sein, um dich von einer besseren Welt träumen zu lassen. Sie können dir Angst machen, weil sie dir das schlimmste aufzeigen, das es gibt. Sie können dich zum Nachdenken bringen, über Themen, die in der realen Welt großgeschrieben werden, Kriege, Migration, Armut, Misshandlungen, und dennoch nur Fiktion sind. Es sind nicht nur die Märchen, die wir unseren Kindern vorlesen, „… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“

Ein Buch kann das Spiegelbild eines Autors sein, der dich in sein Leben lässt und dir erzählt, was er erlebt hat. Er kann dich, Seite für Seite, auf eine Reise mitnehmen, durch Länder, Gebirge, über Seen und Meere, Kulturen, die du vorher nicht kanntest. Es heißt immer: „Man soll die Realität nicht aus den Augen lassen“, aber in einem Buch ist es erlaubt. Dort gibt es keine Regeln oder Grenzen. Und vielleicht flüchten genau deshalb viele Menschen in die „Realität“ eines Buches, um ihrer eigenen aus dem Weg zu gehen. Charaktere einer Geschichte, Wendungen und Fügungen, können teilweise dafür verantwortlich sein, dass man sich neu erfindet, Ansichten und Eigenschaften übernimmt. Ist ein Buch gut geschrieben, empfindet man mit dem Protagonisten zusammen, was er fühlt. Durchdenkt seine Handlungen und beschließt, ob sie falsch oder richtig waren.

Heutzutage werden wir mit allen möglichen Medien überhäuft. Digitale Newsletter, soziale Netzwerke, die dich über alles informieren, Fernsehen, Computer. Knallharte Informationen, die in wenigen Sätzen vor unseren Füßen landen – was du damit anstellst, wird dir selbst überlassen. Manchmal kann man diesem ganzen Meer an Nachrichten nicht mehr folgen, ist überfordert und versteht vieles dadurch falsch, bekommt Angstzustände. Die Welt kann ein grausamer Ort sein, wenn man alles nur schwarz und weiß sieht, dabei die Grautöne übersieht. Für mich persönlich ist es gerade dann eine Wohltat, in ein gutes Buch einzutauchen, mich von all diesem Chaos da draußen wegtragen zu lassen. Mein ganzes Leben schon, seit ich Buchstaben aneinanderreihen und zu Worten formen konnte, lese ich. Es ist eine Art Balsam für die Seele, wenn ich in die Tiefen einer Geschichte gezogen werde und dadurch alles um mich herum vergessen kann.

In der heutigen Zeit gibt es nun auch das E-Book, das elektronische Buch. Im Jahr 1988 wurde das erste kommerzielle elektronische Buch, das sich vollständig am Computerbildschirm lesen ließ, veröffentlicht. Es war der Roman „Mona Lisa Overdrive“ von William Gibson. Doch ist es auch das gleiche, wie wenn man ein richtiges Buch, einen dicken Wälzer von 500 Seiten und mehr, in den Händen hält? Natürlich kannst du, dank Handy, Tablet, Laptop, ein E-Book überall mit hinnehmen, aber das funktioniert auch mit einem Roman – er ist nur schwerer in deiner Handtasche. Das elektronische Buch kann dir auch nicht vermitteln, was das richtige Paperback oder Hardcover kann, wenn du es aufschlägst. Ein Buch, das man in Händen halten kann, hat einen eigenen Geruch, eine Geschichte, den du schon am Einband einatmen kannst und der dich durch die Seiten bis zum Schluss verfolgt. Ja, es wird herumexperimentiert, damit man auch mit einem E-Book eben dieses Gefühl bekommt, aber das ist doch nicht das gleiche. Ein Buch beinhaltet nicht nur das Manuskript des Autors, also die Story, die er geschrieben hat. Es beinhaltet eine weit größere Geschichte, die du mit dem Anfassen spüren kannst.

Des Weiteren spricht noch viel mehr dafür, zu lesen. Es kann Alzheimer vorbeugen, das zeigen auch Studien. Wer sein Gehirn immer wieder herausfordert, bleibt auch im Alter länger mental fit. Lesen reduziert Stress und kann Abhilfe schaffen, wenn man schwer zur Ruhe kommen kann. Es erweitert den Wortschatz, denn „Lesen bildet“. Je häufiger man mit unterschiedlichen Wörtern konfrontiert wird, desto leichter prägen sie sich ein. Es beeinflusst den eigenen Schreibstil – man lernt dazu. Es hilft beim Einschlafen, wenn man schwer in den Schlaf findet. Viele Menschen lesen abends in ihrem Bett, um von den Geschehnissen des Tages wegzukommen. Auch fördert es soziale Kompetenzen, wie das Empathievermögen, denn man lernt sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und vergrößert damit sein Verständnis für andere. Es erweitert den Horizont, indem man andere Orte und Kulturen kennenlernt, sich auf „Reisen“ begibt. Die Konzentration wird gefördert, weil wir uns länger mit einer Sache beschäftigen und das ebenso auf andere Situationen übertragen. Informationen und Neuigkeiten werden häufig rasch und häppchenweise serviert. Wir klicken uns durchs Web, lesen Statusmeldungen, Headlines, Twitter und überfliegen Facebook-Neuigkeiten. Wir stolpern nur so über Katastrophenbilder, schauen schnell noch nach dem Wetter, oder welche Band demnächst in unserer Nähe spielt. Durch ein Buch entspannt man sich von der Hektik des Alltags. Und, last but not least, Lesen macht SEXY. Warum? Ganz einfach: Menschen, die in der Öffentlichkeit lesen, wirken intelligenter. Ein Buch in der Hand macht dich attraktiver und begehrenswerter. Man vermittelt den Eindruck, ein interessanter Gesprächspartner zu sein.

Eure Nine

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