Country-Musik

Country, ein so großer Begriff, den ich heute versuche etwas auseinanderzupflücken. Country ist nicht gleich Country – es ist viel mehr. Die Hauptstilrichtungen teilen sich in verschiedene Rubriken.

Bluegrass, welcher hauptsächlich mit akustischen Instrumenten im 2/4 Takt gespielt wird, ist vergleichbar mit der deutschen Volksmusik. Charakteristisch sind die Virtuosität der Musiker, der mehrstimmige Satzgesang und die schnellen Instrumentalstücke, die aus Fiddle, Banjo, Mandoline, Kontrabass und Westerngitarre bestehen – wobei die Gitarre und Mandoline das Schlagzeug ersetzen sollen. Es entstand zwischen 1937 und 1945 in den Bergen von Kentucky und Tennessee. Urgesteine wie Bill Monroe, Don Reno, The Stanley Brothers, Bobby und Sonny Osborne, Jim und Jesse McReynolds, Bands wie Hylo Brown and the Timberliners machten den Bluegrass bekannt. Der Begriff Bluegrass bezeichnet die aufgrund des nährstoffreichen Bodens blaugrünen Blätter des Wiesen-Rispengrases, und der Musikstil wurde von den Medien später danach benannt. Seit den späten 60er Jahren greifen auch andere Musiker den Bluegrass auf, wodurch neue Stile wie Newgrass und Jazzgrass entstanden. Auch verwendeten Country-Rock-Bands wie die Eagles Stilmittel des Bluegrass. Als der Neo-Traditionalismus in den 80er Jahren mehr Einfluss gewann, wurde der Bluegrass zu einer poppigeren Version und teilweise sogar mit Schlagzeug untermalt. Seit 1991 existiert die International Bluegrass Music Hall of Fame, die von der International Bluegrass Music Association betrieben wird und jährlich stilprägende Künstler mit der Aufnahme auszeichnet. Beim heutigen Bluegrass kann man unter anderem die Dixie Chicks erleben. Auch Dolly Parton wandte sich in den späten 90er Jahren vermehrt diesem Stil zu.

Honky Tonk ist ein bedeutendes Sub-Genre der Country-Musik, aber streng genommen kein eigener musikalischer Stil und ist in den 30er Jahren in Texas entstanden. Er besteht meist aus einfachen und langsamen 2/4 Takten, die durch ein spezielles Timing den typischen Groove bekommen, gespielt mit Fiddles, Honky-Tonk-Pianos und einer breiten Palette von Gitarren. In den Texten dreht es sich um Alltagsprobleme, sie sind ungekünstelt und direkt. In den 50er Jahren hatte er seinen Durchbruch und ist auch heute noch unverändert aktuell. Honky Tonk ist die Grundlage zum Rock’n’Roll und Rockabilly. Der aus dem 19. Jahrhundert stammende Begriff Honky-Tonk, eine Umschreibung für eine derbe Kneipe, bezeichnete fortan eine Stilrichtung der Country-Musik, die sich in den Kneipen und Bars im Umkreis der texanischen Ölfelder bildete. Die laute und raue Umgebung der Kneipen erforderte den Einsatz von durchsetzungsfähigen Instrumenten. Die in der Country-Musik bis dahin eher verpönten elektrischen Gitarren und Schlagzeuge übertönten mühelos den größten Lärm.
Man konnte bei den raubeinigen Ölarbeitern, die am Wochenende ausgingen, mit den folkloristischen, religiösen oder romantischen Texten und dem familienfreundlich „bereinigten“ Image der in den 30er Jahren angesagten Country-Musik nicht auf Gegenliebe stoßen. Hier war eine deutlichere Sprache gefragt. So befassen sich auch die Texte der Honky-Tonk-Musik überwiegend mit Alltagsproblemen: Beziehungskrisen, Gewalt, Angst um die eigene Zukunft, Alkohol und Beziehungen, aber auch mit fröhlichen Themen wie dem geselligen Beisammensein. Für die heutige Prägung dieses Stils sorgen Hank Williams Sr., Bob Wills und Merle Haggard.

Ab Mitte der 50er Jahre verlor die Country-Musik gegenüber dem Rock’n’Roll dramatisch an Boden, wodurch der Nashville Sound entstand. Ein weicher Sound, der oft durch Hintergrund-Chöre verstärkt wurde. Klassische Country-Instrumente wurden nur noch selten eingesetzt. Stilistisch ist der Nashville Sound als Country-Pop einzustufen. Er hat daher zu einem intensiveren Crossover in die umsatzstärkere Pop-Hitparade geführt. Hinzu kam die formlose, entspannte Atmosphäre in den Aufnahmestudios, die dazu tendierten, die klassischen Country-Instrumente Fiddle und Banjo auszulassen und an deren Stelle Saxophon und Mandoline einbrachten. Als im Jahr 1957 RCA sein mit neuester Technik ausgestattetes Studio B in Nashville eröffnete und hier auch Elvis zu produzieren begann, war bei ihm der Einfluss des Nashville Sound unverkennbar. Typisch waren auch die „head arrangements“, also spontane und improvisierte – nicht notierte – Partituren in eigentlich zum Pop oder Jazz gehörenden Jamsessions. Der Gesang war weniger nasal und nicht mehr in hoher Tonlage angelegt, ohne schleppende Aussprache bei gleichzeitig unterdrücktem Südstaaten-Akzent („sowbelly accent“). Der Nashville Sound behielt jedoch andere Attribute der Country-Musik, nämlich die Einfachheit, Aufrichtigkeit und Warmherzigkeit.

Während in den 50er und 60er Jahren noch die Traditionalisten vorherrschten, nahm Mitte der 70er Jahre der Country-Pop überhand. Hier finden sich Künstler wie George Jones oder Loretta Lynn, Ricky Van Shelton, Steve Wariner, Dolly Parton und Kenny Rogers wieder. Die Urban-Cowboy-Welle war geprägt von melodiösem Country-Pop im Nashville-Sound, Streicherkulisse und dem Einsatz von Synthesizern.

Bob Wills machte in den 30er Jahren den Western-Sound, auch als Saloon-Musik bekannt. Jazz-Elemente wurden integriert, weitere Instrumente hinzugenommen, so entstand eine lebhafte, tanzbare Musik. Asleep at the Wheel, Suzy Bogguss und Michael Martin Murphey gehören zu diesem Stil.

 

Americana ist die sozialkritische, auf American-Folk-Motiven aufbauende Musik amerikanischer Liedermacher und wird auch als Alternative Country oder Roots Rock bezeichnet.

In der regionalen Stilrichtung und Modeströmung gibt es unter anderem den Bakersfield Sound, der in den 60er Jahren, eine an Rockabilly und Honky Tonk angelehnte Variante, bei der erstmals elektrisch verstärkte Instrumente vorherrschten und die Gitarren hart und höhenbetont sind, entstand.

Die Eroberung des amerikanischen Westens und das Leben der Cowboys zum Inhalt hat die als „Cowboy-“ oder „Western Music“ bezeichnete Stilrichtung. In den 30er und 40er Jahren waren Roy Rogers, Gene Autry, Tex Ritter, Tex Fletcher und die The Sons of the Pioneers wichtige Vertreter mit Instrumenten wie Fiddle und Gitarre, aber auch Akkordeons. Die melodiösen, oft schmachtenden Balladen, die die Weite der Landschaft und den Alltag in der Prärie, insbesondere die Bindung an Pferde besungen hat, färbten stilistisch stark auf den Western Swing ab. Der Grundstein für das Klischee des singenden Cowboys wurde gelegt. Der Legende nach war es während der großen Trails üblich, den Rindern während der Nachtwache leise Lieder vorzusingen, um eine Stampede zu verhindern, da der Klang der menschlichen Stimme beruhigend auf die Tiere wirken sollte. Diese Lieder wurden als „Hymne“ bezeichnet, weil die Cowboys Lieder erfanden, indem sie neue Wörter und kirchliches Liedgut zusammenfügten. Die Cowboys sangen spontan ausgedachte Texte, Kaffeedose-Werbeslogans, oder bloßen Nonsens gesalzen mit Obszönitäten. Nicht anders als die Seeleute oder Soldaten früherer Zeiten dürften die Cowboys sich tatsächlich nach getaner Arbeit um das Lagerfeuer versammelt haben, um ihre traditionellen oder neu erlernten Lieder zu singen. Dabei entwickelten sich mit der Zeit immer neue Strophen und Variationen, so dass nach und nach ein umfangreiches Liedgut entstand.

Der Neo-Traditionalismus ist stark von der Musik der Südstaaten wie Texas-Music, Honky Tonk, Western Swing, Southern Rock, aber auch dem Bluegrass geprägt und entstand Mitte der 80er Jahre. Man versteht darunter eine Rückbesinnung auf die traditionellen Wurzeln der Countrymusik. Vertreten durch Garth Brooks, Dixie Chicks, Josh Turner.

Zwischen 1954 und 1957 interpretierten junge weiße Musiker den schwarzen Rhythm und Blues, vermischten ihn mit Countryelementen und ließen Rockabilly entstehen. Mit Kontrabass, der perkussiv gespielt wird, elektrischer Leadgitarre und nervösem „Schluckaufgesang“ ist es eine sparsame Besetzung, bei der häufig ein Bandecho verwendet wird, was dem Rockabilly einen blubbernden Groove verleiht. Vertreter hierfür sind neben dem frühen Elvis Presley auch Carl Perkins, Eddie Cochran und Gene Vincent.

In den 90er Jahren Billy Ray Cyrus und Carlene Carter. In Tennessee hat die Rockabilly Hall of Fame ihren Sitz, die Feste, Internetaktionen und ähnliches organisiert. Sie steht in Konkurrenz zur weniger populären International Rockabilly Hall of Fame aus Jackson, Tennessee. In Green Bay und Las Vegas finden jährlich die weltgrößten Rockabilly-Festivals statt. Innerhalb der Country-Szene spielte Rockabilly eine bedeutende Rolle als Stilelement oder als eigenständige Richtung, z.B. in der Musik der Bands BR5-49, The Derailers oder Asleep at the Wheel. Die Zentren des Rockabilly liegen in Memphis (Tennessee), Texas, der Westküste der USA, Miami (Florida) und Phoenix (Arizona).

Der Country Rock verbindet Outlaw, der nahe an den Wurzeln der Rockmusik angesiedelt ist, mit überwiegend kantig-rockigen Titeln, eigenwilligen Texten und selten rauhen Stimmen, und Southern Rock mit Rockabilly und traditionellem Blues. Diese Stilrichtung trifft man häufig in der modernen Line-Dance-Szene an, bei Interpreten wie Alabama, und wird auch als die moderne New-Country-Musik bezeichnet. Keith Urban, Brooks&Dunn oder Lonestar, aber auch die Eagles, die Dire Straits sind Interpreten.

Beim Tex Mex benutzen Bands hauptsächlich dreireihige Akkordeons und „Bajo-Sextos“, wie der 6-saitige Bass bezeichnet wird, bestehend aus vorwiegend Balladen, Polkas, Boleros und Rancheras.

Der Country-Pop ist eine „weiche“, an Popmusik orientierte Seite, die in den 70er Jahren von Dolly Parton und John Denver vertreten wurde. Einige weibliche Interpreten, wie Shania Twain, Faith Hill, LeAnn Rimes, die während der 90er Jahre stark vom Neo-Traditionalismus geprägt waren, wandten sich später verstärkt dem Country– aber auch dem Mainstream-Pop zu.

 

Eure Nine 

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