Alles wie immer …

Der Begrüßungsmarathon dauerte gefühlt ewig, aber ich hatte es überlebt – mit einigen blauen Flecken und Kratzern. Nein, nicht darüber nachdenken, einfach hinnehmen. Unsere alte Hundedame Kyra war wohl die Wildeste von allen. Ein schwarzweißer Border Collie – gut, sie bekam allmählich graue Haare, was eine doch sehr interessante Farbmischung ergab. Trotzdem war sie noch sehr agil – was man an mir sah.

Mom und Dad waren beinahe genauso euphorisch wie unser Hund. Kaum zu glauben, aber wahr. Dad kam gleich mit einem neuen Pferd um die Ecke, welches trainiert werden sollte, und weil ich einmal da war, könnte ich auch gleich mit anpacken – so empfand er es.

Die Ranch hatte sich kaum verändert – alles wie gehabt. Mein Dad machte aus sturen, bockigen Stuten und beinahe aggressiv wirkenden Hengsten, Pferde die man reiten konnte. Schon in unserer Kindheit packten April und ich mit an, lernten schnell was es alles zu beachten gab. Irgendwann entdeckte ich das Bullriding für mich und damit zogen auch die Rinder bei uns ein. Mom war die Einzige, die für diesen Sport nicht viel übrig hatte. Ihr zur Liebe war ich nie bei einem Turnier, aber Zuhause auf der Ranch legte ich mich gerne mit diesen Monstern an.

Um sie nicht in Verlegenheit zu bringen, und den endlosen Diskussionen, die es dennoch gab, irgendwie aus dem Weg zu gehen, zog ich mir den Schuh des Feiglings an. Nur glaubte mir das keiner. Ich war nie feige. Warum auch? Das, was ich beherrschte tat ich, und den Rest lernte ich. So war es immer, aber dann kamen die beschissenen Zeiten. Ich musste mir eingestehen, dass ich doch ein Schisser sein konnte. Nein, ich möchte jetzt nicht darauf eingehen – jeder erlebte nun mal auch Zeiten, die man liebend gerne aus dem Leben streichen würde. Wir sprachen kaum darüber, aber vielleicht würde April eines Tages ihre Geschichte erzählen.

Am Abend kam Runde zwei dieses völlig absurden willkommen Heißens. Die taten alle so, als wäre ich in den Krieg gezogen und lebend aus der Schlacht zurückgekehrt. Dabei war meine Armyzeit schon lange vorbei.

Dieses Mal waren es Josy und Dylan. Er konnte mich mittlerweile ganz gut leiden, obwohl es eine Zeit gab, in der er mich verfluchte, weil ich seine jetzige Frau in meinem Bett liegen hatte, als er schon schockverliebt mit rosa Elefanten war. Josy war schon immer ein wahnsinnig heißes Gestell. Tattoo-Model und studierte Psychologin. Was für eine Mischung. Sie musste einen nur ansehen und man legte sich freiwillig auf ihre Übungscouch. Wir hatten vor Jahren eine Affäre, in der es sich nicht ganz so zart abspielte.

Eigentlich stammte sie aus L.A., dort wo meine Wenigkeit geboren wurde und drei Jahre lebte, bevor Mom erneut schwanger wurde und wir nach Nashville gingen. Mein Dad übernahm hier die Ranch seiner Familie. Es gab eine Zeit, in der ich viel in L.A. war und wir uns durch einen gemeinsamen Freund kennenlernten, mit dem sie eine WG hatte. Schande, sind meine Sätze heute wieder lang. Jedenfalls war sie damals zu einer wahren Freundin geworden, sogar für meine Schwester. Sie verliebte sich in Dylan und blieb in Nashville. Er ist der beste Freund meines Schwagers Zac. Die beiden kamen ursprünglich aus New York City, wobei Zac texanische Wurzeln hatte.

Ganz schön übel, das es nur April als echte Nashville-Lady in unserer Familie gab. Alle hatten irgendwo ihre Wurzeln, bevor sich daraus dieses Gemisch ergab. Noch nicht mal die Zwillinge waren es – die kamen in Springfield zur Welt, Zuhause in den vier Wänden von Zac und April. Geplant war das so nicht, aber meine Schwester arbeitete bis zum Schluss mit den Straßenkids in ihrem Camp, obwohl sie das laut Arzt nicht durfte. Und Schwups, da waren die zwei Knirpse zwischen Tür und Angel geboren. Zac rief mich hyperventilierend an, aber was hätte ich schon tun können auf diese Entfernung? Ich redete auf ihn ein, versuchte ihn zu beruhigen, ließ mich am Telefon von April beschimpfen und hörte die ersten kraftvollen Schreie der Babys.

 

 

© J.M.Ash

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s