Zoey

Liebe!

Was war das eigentlich?

Es gab tausend Beschreibungen dafür. Millionen Mythen, die in diesem Zustand eintreten sollten.

Angefangen bei einem leichten Kribbeln auf der Haut, wo das Gegenüber einen berührt hatte, bis hin zu Tornadoähnlichen Schmetterlingsschwärmen im Bauch. Angeblich dachte man immer nur an die eine Person.

Aber wie fing so etwas denn an? Verknallt sein? Verliebt sein? Woher wusste man denn, das man eben das war? Was war denn, wenn man nicht diese ganzen komischen Empfindungen hatte, von denen alle Welt redete? Ich, für meinen Teil, hatte so etwas früher nie. Wahrscheinlich hätte ich einen Arzt aufgesucht, wenn mir das widerfahren wäre – dachte ich.

Sollte nicht heißen, dass ich noch nie eine Frau im Bett hatte. Oh doch, da gab es viele. Mein Bettpfosten alleine, reichte für die Kerben nicht mehr aus – damals. Man hätte mich tatsächlich als männliche Hure schimpfen können, was mich persönlich überhaupt nicht tangierte. Ich war eben kein Kostverächter. Man sollte sein Leben genießen, solange man konnte und jeden Tag nutzen, als wäre es der letzte. Was sollte daran verboten sein?

Gut, es gab schon die ein oder andere Frau, die sich angeblich unsterblich verliebt hatte in mich, aber wie konnte man das behaupten, wenn man nur eine Nacht miteinander verbracht hatte? Ging das überhaupt? Oder war das einfach nur Träumerei? Ich meine, mir sollte das egal sein, denn mich interessierte es nicht und das bekamen die Damen auch gesagt.

Jetzt fragte sich bestimmt jeder, ob ich überhaupt irgendeine emotionale Regung verspürte, wenn ich schon so kaltherzig Abfuhren erteilte. Ja, hatte ich tatsächlich. Bei meiner Schwester und allgemein bei meiner Familie, aber bei ihr am meisten. Mein kleiner Engel. Okay, ganz so klein war sie nun nicht mehr, aber immerhin einen Kopf kürzer, wie ich. Mehr Gefühl ging nicht.

Ja, dachte ich, aber ich irrte mich. Bis SIE plötzlich vor mir stand und mir an den Kopf geworfen hatte, dass sie in mich verliebt sei. Wir waren jahrelang Freunde. Sehr gute sogar. Sie hatte mich unterstützt, stand mir bei, half mir und tröstete mich auch. Wir waren ein Dreamteam. Uns konnte niemand etwas vormachen. Wir hatten den selben schrägen Humor, schikanierten wahnsinnig gerne unsere Freunde und bombardierten uns gegenseitig mit den frechsten Sprüchen. So war es einmal.

Doch dann hatte ich sie geküsst. Es war nur ein Kuss, aber der schlug ein wie eine Bombe. Auf einmal sah ich sie mit ganz anderen Augen und konnte mir keinen Reim darauf machen. Zo … meine Zo … die Zo, die mein Herz durch die Mangel nahm und es in tausend Teile brach.

Und genau diese Frau stand nun, zwei Stunden später, vor mir, sah mich mit ihren großen Augen an, in denen Hoffnung lag. Hoffnung darauf, dass ich zu ihr zurück kam, wir es noch einmal versuchten – so schätzte ich es zumindest ein. Nur gab es da ein Problem. Ein gravierendes, um genau zu sein.

Wäre ich doch nur ins Bett gegangen oder in irgendeine Bar anstatt hier zu bleiben. Es war klar, dass auch SIE hier erscheinen würde. Der verlorene Sohn war zurück, Zo konnte hoffen, mich am besten wie damals zur Hochzeit von April in die nächstbeste Scheune zerren, mich ansehen und schon würde ich über sie herfallen. Schande, wie sich das anhörte. Eigentlich war es so nicht mal annähernd.

Ich wich ihrem Blick aus, versuchte sie zu ignorieren, was gar nicht so einfach war. Diese Frau war die erste, die in mir Gefühle weckte, die mich und mein Herz zu Boden riss, genüsslich darauf herumtrampelte und nun wieder alles auf den Kopf stellte. Dabei war ich doch genau davor geflohen.

 

 

© J.M.Ash

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