Erster Fehler

Sie stand immer noch auf der anderen Seite der Küche und starrte mich an. Mein Handy landete nach dem Gespräch mit Annie wieder in meiner Tasche und ich sah Zo grimmig an.

„Was willst du?“ Es kam wesentlich giftiger über meine Lippen, als ich wollte, aber sie … sie … ach verdammt. Zoey bewirkte noch immer etwas in mir, das ich dort nicht haben wollte. Es durfte einfach nicht vorhanden sein. Es musste weg. Sie musste weg. Aus meinem Sichtfeld. Meinem Leben. Meinen Gedanken. War das denn so schwer zu verstehen? Hatte ich gestern nicht eindeutige Signale gesendet?

„Können wir bitte reden, Deac?“ Ich hasste es, wenn sie mich so nannte, obwohl ich es immer geliebt hatte, wenn sie meinen Namen so aussprach. Man, war das verwirrend.

„Worüber? Ich wüsste nicht, was wir beide zu bereden hätten.“ Sie sah mich mit aufgerissenen Augen an. Ich wusste genau, was in ihrem Kopf vor sich ging. Sie fragte sich, wie ich es nur einfach so abtun konnte, nach allem, was zwischen uns war. Sie wollte Antworten auf ihre Fragen. Aber die wollte ich damals auch und bekam sie nicht. Nur ein beschissenes „Es tut mir leid“ hatte sie für mich. Sie verstrickte sich in Ausreden, in Ausflüchte und ich blieb einfach zurück. Ganz unten am Boden.

Auch, wenn ich ihr damals sagte, es wäre okay und ich bräuchte einfach nur Zeit, so war das gelogen. Ich ertrug sie nicht mehr in meiner Nähe. Ich … naja … ich war verletzt, gekränkt. Irgendwo besaß ich noch ein Stückchen Stolz und Würde, und die war ich nicht bereit aufzugeben für diese Frau. Sie konnte sowieso machen was sie wollte mit mir, ich lief ihr wie ein bekloppter Dackel nach, bettelte und winselte. So tief trieb mich diese eine Frau. Schande, ich war ein Mann und wollte nicht weiter ihr Fußabtreter sein. Es gab schließlich eine Grenze, oder etwa nicht?

„Können wir nicht eine Lösung finden? Ich möchte nicht, das wir uns hassen. Oder das du mich hasst.“ Schon klar. Das, was sie wollte, war, das ich sie liebte. Und bei Gott, irgendwo tat ich das auch immer noch. Aber es waren drei Jahre vergangen. Ich hatte darum gekämpft, das mein Herz heilte. Noch einmal würde ich das nicht überstehen.

„Was glaubst du eigentlich, wie das gehen soll?“, wollte ich ernsthaft wissen. Es interessierte mich tatsächlich, wie sie sich das in ihrem hübschen Köpfchen vorstellte. Sie sah mich eine gefühlte Ewigkeit stumm an. Ihre Augen schimmerten verdächtig und mein dummer Körper machte sich selbstständig, gehorchte mir nicht mehr. Meine Beine setzten sich in Bewegung und meine Füße trugen mich zu der Frau, die ich einst geliebt hatte, und die mir trotz allem immer noch etwas bedeutete. Zu viel.

Kurz vor ihr stoppte ich und sah auf sie herab. Sie hob den Blick um mich anzusehen. Und dann setzten sämtliche Funktionen in meinem Kopf aus. Ich packte sie an den Hüften und hob sie hoch. Zo schlang wie von selbst ihre Beine um mich und ich stemmte sie gegen die Wand in ihrem Rücken. Blackout.

 

 

© J.M.Ash

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