Interview mit Sylvia Rieß

Name: Sylvia Rieß

Geburtsjahr: 1985

Wohnort: in der Nähe von Limburg an der Lahn

Hauptberuflich: Tierärztin

Hobbys: habe viel zu viele

Werke: Meine Sternenlied-Saga „Der Stern von Erui“ Heimkehr, Schattenkriege, Sternenstaub, in der Märchenspinnerei das erste Buch „Der Axolotlkönig“ und war mit-Autorin und Herausgeberin der anthologie „Es war einmal … ganz anders“

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Wie bist du dazu gekommen, zu Schreiben? Gab es irgendwann einen Auslöser oder hast du schon immer gerne geschrieben?

Ich habe schon immer gerne geschrieben. Und ich konnte es auch nicht abwarten, bis ich endlich zur Schule durfte, um es zu lernen. 😉

Worte waren also deine Leidenschaft?

Heute schon würde ich sagen. Ob ich da als Kind schon so drauf fixiert war, weiß ich nicht. Ich wollte einfach Geschichten hören, Geschichten erfinden. Mittlerweile kann mich einfach eine gut durchdachte Geschichte, bei der jedes Wort am richtigen Platz steht und somit eben auch Kontext zwischen den Zeilen schafft, aber wirklich begeistern.

Wenn du nicht schreibst, liest du dann? Welche Geschichten beeindrucken dich persönlich am meisten, wenn es um Bücher geht?

Ich lese derzeit nur noch selten. Außer die Bücher meiner Kolleginnen aus der Märchenspinnerei, die ich aber zum Teil auch einfach lektoriere, korrigiere oder setze. Bücher, die mich faszinieren müssen definitiv mehr haben, als ein glitzerndes Cover in Pastell. Meist sind sie komplex, oder behandeln abwegige Themen. Mainstream versuche ich zu vermeiden. Aber das ist wohl auch einfach so ein Spleen von mir. Ich suche mehr oder weniger immer nach den Schätzen, die kein anderer kennt. Eine weitere große Leidenschaft von mir ist allerdings klassische Literatur. Shakespeare, Goethe, Schiller. Ich liebe Dramen (also Theaterstücke) und analysiere für mein Leben gern die Figuren und das drumrum. In der meisten Unterhaltungsliteratur geben die Charaktere einfach gar nicht so viele Facetten her. Wenn ich allerdings zum Vergnügen lese, dann meist in meinem Lieblingsgenre Fantasy.
Klassische Literatur hört sich gut an. Welches Stück kannst du immer wieder lesen oder gar ansehen?
Ein Sommernachtstraum oder auch Macbeth. Den kann ich sogar in Teilen auswendig: „When shall we three meet again? In thunder lightning, or in rain? When the hurlyburly’s done. When the battle lost and won. When fair is foul and foul is fair, hover through the fog and filthy air.“ … ^^ Ach ja. Ich liebe es. 😉 Die Verfilmungen zu den Shakespeare-Originalen finde ich übrigens auch ziemlich großartig.
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Wo du gerade Verfilmungen erwähnst. Inzwischen gibt es wahnsinnig viele Filme zu Büchern. Wie stehst du dazu? Und bei welchen denkst du dir in deinem stillen Kämmerlein: Das war schlecht.
Nicht nur im stillen Kämmerlein. Eins meiner liebsten Bücher haben sie einfach kaputtverfilmt heul. „Die Nebel von Avalon“ eine großartige Erzählung, bei der Morgaine, die Schwester Artus, eben nicht die böse Hexe ist, sondern eine Priesterin der alten Kelten, wie sie in der Zeit vom christlichen Glauben abgelöst wurden. Dieses Buch ist nicht nur Fantay, sondern auch ein Stück Weltgeschichte … und was machen sie draus? Einen der miesesten Filme, die ich je gesehen habe. Man müsste mir schon Geld zahlen, um mir das Machwerk nochmal anzutun. … Sehr viel Geld.
Auch ansonsten sind viele Verfilmungen ja eher enttäuschend. Wenn ich zum Beispiel auch bei Harry Potter sehr gut mit den Einkürzungen leben konnte. Es war sinnvoll und hat die Geschichte entschlackt. Was beim Lesen Spaß macht, muss ja nicht zwangsläufig auch auf der Leinwand toll sein.
Stimme ich dir voll und ganz zu. Viele sind wirklich sehr enttäuschend. Wenn man eins deiner Bücher verfilmen wollen würde, welches sollte es sein?
Alle. Sind ja sehr unterschiedliche Zielgruppen. 😉 – Aber Spaß beiseite: Meine Trilogie „Der Stern von Erui“. Es ist mein Herzensprojekt, meine liebste Geschichte überhaupt und sie hat so viel Potential. Es gibt so viel Vorher, Nachher und drumrum. Auch als Serie würde sie sich gut eignen. Also wenn ein deutscher Produzent mal wirklich auf der Suche nach richtig guter Fantasy ist, so ala „Der Nebel“ „Stranger things“ „The OA“ und „GoT“ – ich gebe gerne später noch eine Kontakt-Email durch. 😉 Ich fürchte aber, die englische Übersetzung der Bücher ist fertig, bevor der deutsche Markt das Buch überhaupt bemerkt hat. 😉
Bedeutet das, du möchtest deine Trilogie ins Englische übersetzen?
Das bedeutet, die Hälfte von Band 1 „Heimkehr“ ist schon übersetzt 😉.
Wow, das hört sich super an. Viel Erfolg dabei, den englischen Markt damit auch zu erreichen.
Mal sehen, wie das wird. Als SPler traue ich mich das vermutlich nicht. Deswegen werde ich, sobald die Übersetzer Band eins fertig haben, da auch nach einem Agenten und einem Verlag suchen. Es macht auf jedenfall sehr viel Spaß, die Geschichte auf Englisch noch einmal zu lesen. Man nimmt sie dabei selbst ganz anders wahr.
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Wenn ein Leser, jemand wie ich zum Beispiel, der dich leider noch nicht kennt, sich für deine Bücher interessiert und wissen will, worum es geht, wie würdest du es kurz und knackig bewerben?
Ich glaube es war Neil Gaiman, der mal sagte, es gibt zwei Arten von Geschichten: Die, welche man in einem Satz zusammenfassen kann und jene, die sich mit allen Worten der Welt nicht beschreiben lassen. Der Stern gehört wohl zur letzteren Kategorie, aber ich versuche es mal: Ein faszinierend tiefgründiges Fantasy-Abenteuer, das von Freundschaft, Liebe, Heldenmut und alten Prophezeiungen handelt und die Leser dabei nicht nur mitnimmt in eine neue Welt, sondern auch zum Grund der eigenen Seele.
Wow, damit machst du mich definitiv neugierig und das, obwohl ich eigentlich gar nicht so sehr der Fantasy-Fan bin. 😉 Aber ich mag tiefgründige Geschichten.
Was würdest du jungen Autoren mit auf den Weg geben? Ratschläge, Tipps?
Das klingt, als wäre ich schon ein alter Hase, dabei würde ich das bei weitem nicht so sehen. Aber wenn ich Kollegen und Kolleginnen einen Tipp mitgeben möchte, dann den Tipp, den auch ich mir in einer Rede meines großen Vorbildes Neil Gaiman immer wieder gerne anhöre: „Enjoy yourself on the journey“ Also auf deutsch: Habt Spaß an dem, was ihr tut. Man weiß nie, ob das eigene Buch mal wirklich ein Bestseller wird. Wenn man das wüsste und Glück keine Rolle spielen würde, würden Verlage keine anderen Titel publizieren. 😉 Und ich weiß selbst, im Leben eines Autors sind die Höhenflüge und die Abstürze in den bitteren Selbstzweifel manchmal nur eine Zeile von einander entfernt. Aber am Ende jeden Tages sollte man an seinem kreativen Schaffen dann doch Freude gefunden haben. Sei es beim Schreiben selbst, oder auch durch die Kontakte, die Gespräche, die es einem bringt. 😀
Das klingt doch gut. Ich denke, genau das macht die Selfpublisher aus, denn sie können wirklich etwas sagen, aus dem einfachen Grund, weil sie im Prinzip „allein“ dastehen. Ohne Verlag, ohne alles. Und deshalb frage ich euch immer so gerne, was ihr mit auf dem Weg geben könnt. 😊
Was erwartet uns von dir? Wie geht es weiter?
Im Moment bin ich ein bisschen im Stress, weil mein ‚Hamster‘ in den letzten Zügen liegt und noch vor der LBM kommen soll.
Das fing mal als Kurzgeschichte an und ist nun ein 7 teiliges Abenteuer der etwas skurrilen Art geworden. 😉
Außerdem wird es eine weitere Trilogie in und um Erui geben. „Das Herz des blauen Drachen“. Das Cover von Alexander Kopainsky ist schon fertig, aber noch nicht enthüllt.
Ich werde dieses Jahr vermutlich sehr bald anfangen, dann mal einen festen Bloggerkreis für meine Bücher zu etablieren. Ähnlich wie Verlage Bloggerteams haben, machen viele SPler das ja nun auch und wer dann von denen Lust und Zeit hat, darf meine Neuerscheinungen vorablesen, Blicke auf noch geheime Cover werfen etc. 🙂 Aber dazu dann wohl bald mehr auf meiner Homepage.
Mit Bloggergruppen haben wir schon Erfahrungen gesammelt. Ein tolle Sache, wenn es richtig durchdacht ist.
Ja, wir haben in der Märchenspinnerei sehr gute Erfahrungen mit unserem ‚Feenteam‘ gemacht. 🙂
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Gibt es etwas, dass du an dir selbst nicht ausstehen kannst?
Frag mich lieber, was ich an mir selbst mag, dann sind wir schneller durch. 😉
Ich bin definitiv ein sehr selbstkritischer Mensch. Ungeduldig, aufbrausend, manchmal sehr impulsiv und wenig überlegt. Ich fange zu viel an, mache zu wenig fertig. … Lauter solche Dinge. Einer meiner Buchcharaktere war darum eigentlich mal auch aus dem Wunsch entstanden, ein Idol zu haben, dem ich nacheifern kann. Etwas, wie ich gerne wäre, aber nicht bin. 😉
Dann bist du eine typische Frau. 😂
In Zeiten der Genderequalnness eine gefährliche Aussage, aber anhand eindeutiger, anatomischer Attribute bin ich zu dem Schluss auch schon gekommen. 😉
Kommen wir zu einem kleinen Spiel. Ich nenne dir einen Begriff und du antwortest mit dem erstbesten was dir dazu einfällt.
Farbe? Weiß-Gold
Tier? Pferd
Land? Neuseeland
Charaktereigenschaft? Treue
Berühmte Persönlichkeit? Neil Gaiman
Zitat? I took the one less traveled by, and that made all the difference. (Aus „The road not taken“ von Robert Frost.)
Ich danke dir für deine Zeit und das nette Gespräch. Es hat mich gefreut, dich kennenzulernen.
Vielen Dank. Und ganz meinerseits.

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