Nachts im Märchenwald

Was passiert nachts im Märchenwald, wenn nichts so ist wie es scheint?

Prinzessinnen verlieben sich kurzerhand neu … ihre Happy Ends sind plötzlich böse …
Wir schleichen für euch mal durch den Märchenwald und sehen uns um.

Zitat: „Nächster Halt: Morgenland und gestörte Prinzessin.“

Cinder und Prinz Charming nur als Beispiel genannt. Anstatt ihres Mannes liegt jetzt Pan nachts in ihrem Bett. Ja, genau … Peter Pan … der fliegende Typ von Hook. Erinnert ihr euch?

Auch bei Red geht es turbulent zu. Die soll auf einmal zwei Happy Ends haben. Ausgerechnet Käptn Hook. Der gutaussehende Pirat mit Kind. Was ist denn da los?

Zitat: „Ich lasse den Zauberstab wie den Stick eines Drummers kreisen. Habe ich in den letzten Tagen heimlich geübt. Sofort starren mich alle an, als hätte ich soeben einen Basketball auf meinem Zeigefinger um sich selbst kreisen lassen. Einbeinig. Auf glühenden Kohlen hüpfend. Was man hier eben so macht als Freizeitbeschäftigung im Märchenwald.“

Auf dem Weg durchs Märchenland blendet der Vollmond, und schon von weitem hören wir Gejaule. Oh Nein! Vollmond! Stimmt ja. Das kann doch nur bedeuten, dass Ever zum Hipster Wolf wird. Prompt steht er auch schon vor uns … aber Moment! Was, bei den sieben Geißlein, tut er da nur? Er tanzt! Wollen wir ihn mal nicht weiter stören.

Grüne Augen schweben im Dunkeln vor uns und erschrecken uns beinahe zu Tode. Aus dem schattigen Wald tappst die Grinsekatze heraus. Genüsslich schnurrend schmust sie um unsere Beine. Sie ist eben doch nur eine typische Katze, wenn auch etwas speziell.

Zitat: „Ironie des Schicksals. Willkommen bei den nicht ganz so anonymen Fluchgestörten.“

Aschenputtel hat uns zum Essen eingeladen und wir gehen weiter. Von überall her kommen Geräusche. Es ist irgendwie magisch … ach Nein, Stopp. Es sind unsere Handys. Snow postet schon wieder fleißig und unsere Tweets floppen auf. Sogar Whistleblower gibt seinen Senf dazu ab, wenn er gerade mal nicht am Sabbern wegen Hook ist.

Bei Aschenputtel gibt es Küsschen links und rechts. Snow ist auch da und bringt das Essen. Nur leider fehlt das Gemüse. Was so eine Erbsenphobie auslösen kann …

 

Kommen wir zu eurer Chance am Gewinnspiel teilzunehmen.

Tagesfrage: Märchen mal anders … Wie steht ihr zu solchen Adaptionen? Und welche kennt ihr schon?

Bitte beantworte die Tagesfrage auf dem jeweiligen Blog als Kommentar und verrate uns in einer Mail nach dem Motto: „Be your own Fairytale-Hipster“ – Zeige wie du als dein liebster Buchcharakter aussähst? Als Bild oder Zeichnung …(Vielleicht erlaubst du auch das Bild im Gewinnerpost zu veröffentlichen)

Sende uns das Bild/Zeichnung bis zum 22.09.2017 24 Uhr an gewinnspiel@booktraveler.de Betreff: Aschenputtel

Unsere genauen Teilnahmebedingungen findest du hier (http://www.booktraveler.de/blogtouren/teilnahmebedingungen/)

Unsere Gewinne

1. Platz 1 signiertes Print „ASCHENPUTTEL UND DIE ERBSEN-PHOBIE“ von Nina MacKay

2. & 3. Platz je 1 eBook „ASCHENPUTTEL UND DIE ERBSEN-PHOBIE“ von Nina MacKay im Wunschformat

4. & 5. Platz je 1 eBook “ ROTKÄPPCHEN & DER HIPSTER-WOLF“ von Nina MacKay im Wunschformat

-Die Gewinne werden Anfang Oktober versendet-

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Prota-Steckbriefe

Wir hatten letztens einen kleinen Roadtrip mit Josie Charles‘ Protagonisten aus der Orange County Reihe, von Love hits harder und Love beats faster, und natürlich aus You&Me. Jetzt gibt es für euch noch ein paar Steckbriefe, für all diejenigen, die mit den Namen noch nichts anfangen können, aber gerne wissen wollen, mit wem wir da überhaupt gesprochen haben.

Fangen wir an mit der SquadFamilie.

Weiter geht’s mit den MMA-Fightern.

Und zu guter Letzt noch unsere Y&M Darsteller.

Ein Roadtrip nach Kalifornien

Manchmal fragt man sich doch, was die Autoren so treiben, wenn sie gerade nicht an ihren Laptops sitzen und wie wild auf ihre Tastaturen einschlagen. Bei unserer lieben Josie wissen wir, was sie treibt, also klammern wir das heute einmal aus und fragen stattdessen: Was treiben ihre Protagonisten, wenn sie gerade mal nicht arbeiten?

Worauf wir hinaus wollen? Mit ein bisschen blühender Fantasie, ganz einfach zu erklären. Ein Protagonist, eine fiktive Persönlichkeit, macht ja auch nur einen Job, indem er seine Geschichte erzählt, die wir lesen dürfen. Aber was macht jener, wenn sein Buch gerade nicht aufgeschlagen wird? Schläft er? Geht sie shoppen? Feiern sie Partys?

Wir haben Josie gefragt, ob sie uns ein Date mit einigen ihrer Protagonisten verschaffen kann, und siehe da: Wir durften sie treffen. Zwei haben wir schon einmal kennenlernen dürfen, aber das reicht uns natürlich nicht. Wir sind ja viel zu neugierig, als das wir uns mit wenig zufrieden geben würden.

21556961_1713432862299042_2055866088_oUnsere Reise führt uns nach Kalifornien, wo wir uns als erstes mit der SquadFamilie verabredet haben.
Davie und Audrey warten schon vor einem kleinem Café und begrüßen mich genauso herzlich, wie beim letzten Mal. Carmi verspätet sich mal wieder. „Ihr Lieben, schön, dass ihr euch Zeit genommen habt. Wie geht es euch?“

„Fantastisch, würde ich sagen!“, lächelt Audrey und auch Dave hat ein offenes Lächeln im Gesicht. „Und das aus dem Mund dieser Frau! Wer hätte das gedacht, hm?“ Er hält zur Begrüßung die Hand hin, was ich natürlich herzlich erwidere. „Du siehst immer noch so glücklich und zufrieden aus, wie bei unserem letzten Treffen“, wende ich mich an Audrey, die förmlich strahlt. „Das bin ich auch ganz im Ernst! Ich habe hier … oh, hey!“ Während sie spricht kommt Carmi völlig abgehetzt zu uns, weswegen Audrey ihren Monolog unterbricht und sie begrüßt. Dave gibt auch Carmi höflich und mit einem charmanten Lächeln die Hand. „Sag mal, flirtest du etwa?“, kommentiert Audrey Daves Verhalten mit einer hochgezogenen Augenbraue, was meine liebe Freundin nur feixen lässt. Dave seufzt theatralisch: „Da kommt ihr hispanisches Temperament durch!“ Audrey grinst breit und sagt: „Nur Spaß, Mädels. So schlimm bin ich doch gar nicht.“ Natürlich wissen wir, dass sie nicht so schlimm ist, aber Temperament hat sie dennoch. „Audrey, was wolltest du sagen?“, nehme ich den Faden wieder auf und sie erinnert sich. „Ich hab hier in Orange County wirklich ein Zuhause gefunden. Die Squad ist toll, eine richtige zweite Familie, und wenn man hier eines sein kann, dann glücklich.“

„Dann hast du dich eingelebt?“

„Absolut! Es wurde mir aber auch leicht gemacht. Surfen hab ich ja schon immer geliebt. Da hatte ich gleich eine Gemeinsamkeit mit den anderen … bis auf Dave natürlich, den Surfer, der nicht surft.“ Er kommentiert ihre Anspielung nur mit einem gelangweilten „Ha, ha.“ Neugierig, wie ich bin, frage ich: „Stimmt. Steigst du immer noch nicht aufs Brett, Dave?“

„Naaa jaaa“, kommt es gedehnt von ihm. „Ich hab es tatsächlich ein paar Mal versucht, aber mir ist fester Boden unter den Füßen auf Dauer einfach lieber. Und machen wir uns nichts vor: Einer muss ja auf die anderen aufpassen, während sie im Wasser ihre halsbrecherischen Stunts machen.“ Zustimmend nicke ich. Wo er recht hat. „Da hast du auch wieder recht. Aber erzählt mal, was macht ihr, wenn ihr gerade nicht arbeitet.“ Audrey grinst erneut wie ein Honigkuchenpferd. „Meistens Musik! Bei Jesse vorm Haus kann man wunderbar am Lagerfeuer sitzen und Dave hat ein paar so schöne Songs für mich geschrieben, da kann ich gar nicht mehr aufhören, Gitarre zu spielen!“, erzählt sie uns glücklich. „Kann sie wirklich nicht. Manchmal werde ich nachts davon wach“, ergänzt Dave. Prompt habe ich einen Geistesblitz. „Das bringt mich auf eine Idee zur Abendgestaltung.“

„Ich glaub, ich kann es mir schon fast denken!“, erwidert Dave und ich grinse ihn an. „Dann sorg doch schon mal dafür, damit wir heute Abend eine Gitarre haben. Oder auch zwei“, bitte ich ihn. Er salutiert wie ein Soldat. „Zwei Gitarren, ein Feuer und ein paar Flaschen Corona. Wird gemacht!“ Audrey drückt ihn lächelnd an sich. „Auf Dave kann man sich verlassen, verlasst euch drauf.“ Sie zwinkert uns verschwörerisch zu. „Das hört sich doch fantastisch an“, sage ich.

Ein lautes Stimmenmeer kommt näher und wir sehen in die Richtung, aus der es kommt. Die restliche Truppe der Squad Familie gesellt sich zu uns und erneut begrüßt jeder jeden. „Mädels! Gut, dass ihr da seid! Ihr kommt aus Deutschland, hab ich gehört? Mann, dann könnt ihr etwas Sonne echt gebrauchen!“, schießt Jesse gleich in unsere Richtung, was uns beide nur lächeln lässt. „Deswegen sind wir doch hier, Jesse, um ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen.“ Tyrone verteilt Handschläge, Damon bärenhafte Umarmungen, die tatsächlich einem Bären gleichen, und Lauren Coladosen. Emily und Sherry hängen uns hawaiianische Blumenketten um. „Ach, und ich dachte, ihr wärt wegen mir hier!“, flirtet Jesse mit einem Augenzwinkern in unsere Richtung. „Keine Sorge, er hält sich immer für den Mittelpunkt des Universums“, erklärt Emily trocken. Sie verpasst ihrem Mann eine gut gemeinte Kopfnuss. Grinsend wende ich mich an ihn: „Du sollst nicht so viel denken. Überlass das den Tieren mit dem größeren Kopf, Jesse.“ Während Damon noch lachend Carmi zerquetscht, fragt er: „Kriegt ihr Mädels noch Luft?“

„Ja, Damon, alles gut“, erwidert diese nach Luft schnappend. Ob es nur an der Umarmung liegt oder doch daran, dass sie heimlich für ihn schwärmt, weiß ich noch nicht. „Kaum angekommen, verteilen sie hier schon die Ratschläge!“, kommt es ebenfalls grinsend von Jesse. Das reinste Durcheinander mit so vielen Leuten. Lauren sagt: „Das ist auch gut so. Die Männer brauchen Frauen, die den Ton angeben, richtig?“

„Genauso ist es, Lauren“, stimme ich lachend zu und sie klatscht mit mir ab. Es ist, als würden wir schon immer zu ihnen gehören. „Hört, hört!“, kommentiert Tyrone unsere Feststellung.

Nachdem die Begrüßung geschafft ist, weitere Tische und Stühle dazu geholt wurden, bedanke ich mich bei der Runde. „Wir freuen uns sehr, dass ihr alle da seid und euch die Zeit genommen habt.“

„Wir freuen uns auch! Es ist immer cool, Besuch zu kriegen! Vor allem von so weit her! Nach Deutschland kommen wir als Surfer so selten!“, erwidert Ty mit einem aufrichtigen Lächeln. „Da gibt es nicht so wirklich die Möglichkeiten, oder? Ich muss gestehen, ich habe mich noch nie bei uns Zuhause mit Surfern auseinandergesetzt. Für mich gehört das irgendwie nach Kalifornien“, beichte ich.

„Ja, hier gibt es viele von uns, genau wie auf Hawaii! Und das macht auch Sinn: Wir haben fast immer Sonne und richtig gute Wellen. Wobei die richtig spektakulären Wellen natürlich nicht vor unserer Haustür sind, aber immer in Reichweite“, erklärt er uns. Sherry sagt: „Ty und Jesse sind verrückt. Für die beiden kann keine Welle hoch genug sein!“ Lauren zuckt mit den Schultern, als wäre nichts dabei. „Wie ich immer sage. Wenn es anschwillt …“, beginnt sie und alle rufen im Chor: „Reite es!“

„Habt ihr keine Angst?“, will ich wissen. Ich kann es mir kaum vorstellen. Für mich hört sich das immer so gefährlich an, auch wenn es toll aussieht. „Wir haben schon Respekt vor manchen Wellen, klar. Aber Angst darfst du als Surfer nicht haben. Sonst machst du Fehler“, sagt Jesse ernst. Ich sehe mich grinsend in der Runde um. „Gut, das ist euer Motto. Aber mal ernsthaft: Stürzt ihr euch einfach rein oder habt ihr tatsächlich manchmal Angst?“

„Ich hab schon manchmal noch die Hosen voll. Aber ich mach das ja auch noch nicht so lange“, gesteht Emily und Sherry pflichtet ihr bei: „Geht mir genauso. Ich komm aus London, da hat man mit dem Surfen nichts zu tun. Für mich war das anfangs eine neue Welt, und wenn man erstmal merkt, wie viel Kraft so eine Welle hat, kann man schon Schiss bekommen.“

„Ist das mehr so klischeehaft: Frauen haben mehr Angst als Männer?“, frage ich ehrlich interessiert in die Runde. „Nö“, sagt Lauren grinsend und wird dann ernst: „Ich glaube, das kommt darauf an, wie lange man schon dabei ist. Surfen hat ganz viel mit Erfahrung zu tun. Man lernt das Meer immer besser kennen und kann sich immer mehr auf seine eigenen Fähigkeiten verlassen. Und wenn man mit dem Surfen aufgewachsen ist, so wie Jesse und ich, aber auch Damon, Audrey und Ty, dann fällt es einem leichter, die richtig großen Wellen in Angriff zu nehmen. An diesen Punkt werden Sherry und Emily auch noch kommen.“ Klingt logisch, denke ich, habe aber dennoch Respekt davor. „Also doch eher so: Es liegt euch im Blut?“ Damon nickt wie selbstverständlich: „Ja, so würde ich das nennen! Manche sagen ja, dass durch unsere Venen kein Blut, sondern Salzwasser fließt. Ich denke, es ist eine gesunde Mischung aus beidem. Ein bisschen Blut, ein bisschen Wasser.“

„Gleich lässt er sich noch ’ne Flosse wachsen!“, scherzt Jesse.

„Nehmt ihr wieder an Wettkämpfen teil?“, frage ich.

„Jesse und ich sind wieder bei der Weltmeisterschaft dabei, klaro!“, bestätigt Lauren und Emily ruft: „Wir anderen sind die Cheerleader.“

„Und du Dave? Nur als Begleitperson oder doch als Arzt?“, wende ich mich an den Arzt ihres Vertrauens. „Na ja, eigentlich war ich ja …“, beginnt er und wirft Jesse einen scherzhaft bösen Blick zu, „gefeuert worden, aber … so ganz kann ich dann doch nicht aus meiner Haut.“

„Es schadet auch nicht, zwei Ärzte an Bord zu haben. Gerade im Wettkampf kann schnell mal was schiefgehen.“, antwortet dieser darauf. Emily springt sogleich darauf an und erklärt: „Wenn dein Bein Probleme macht, mein Schatz, quäle ich dich gern wieder mit dem Tennisball.“ Jesse verzieht das Gesicht, als hätte er gerade Schmerzen beim bloßen Gedanken daran. „Bloß nicht.“

„Dieser Typ. Wurde von einem Hai gebissen und stellt sich wegen einem Tennisball an …“, schimpft sie scherzhaft, was mich an seinen Unfall erinnert. „Hast du denn immer noch Schwierigkeiten, Jesse?“

„In der harten Wettkampfphase schon, ja. Damals ist mir ja ein großes Stück Oberschenkel abhanden gekommen …“, sagt er, woraufhin Audrey das Gesicht verzieht, als hätte sie diese Schmerzen, was ihn nur zum Lachen bringt. „Ich ziehe meinen Hut vor dir, dass du dennoch weiter machst“, bewundere ich ehrlich, wie er das schafft. „Und das ist eine Riesennarbe. Da spürt man schon manchmal noch was. Aber da muss ich durch. Ohne Surfen würde es sowieso nicht gehen!“, erzählt er.

„Müssen sich die Frauen den Platz mit der Leidenschaft zum Surfen teilen?“, frage ich die Männer. Jesse zieht Emily in seinen Arm und sagt: „Also ich hab genug Platz für beides! Nein, im Ernst. Meine Frau kommt für mich an erster Stelle. Darum hab ich sie auch geheiratet, meine kleine Irin mit ihrer verrückten Familie.“ Er drückt Emily einen Kuss auf den Mund. „Bei mir ist es auch so, dass die Liebe definitiv wichtiger ist. Die Umstände, unter denen ich Sherry kennengelernt hab, haben alles für mich verändert. Ich dachte damals, ich hätte nur noch wenige Monate zu leben. Sowas verändert einen. Surfen ist Spaß, Sherry ist mein echtes Leben“, erzählt Ty und Sherry lächelt ihn verliebt und ein wenig schüchtern an. Bewundernd beobachte ich die Pärchen, jeder mit seiner eigenen Geschichte. „Lauren und ich surfen beide, meistens gemeinsam. Wir sind wie diese schlimmen Paare, die immer im Partnerlook rumlaufen. Nur auf dem Wasser“, kommt es von Damon und Lauren lacht: „Ja, das trifft es. Wir haben einen tollen Trick auf Lager: Beide auf demselben Board stehen.“

„Also, ich muss mir Daves Herz nicht mit dem Surfen teilen, so viel steht fest“, sagt Audrey grinsend, „aber er sich meins!“

„Es ist wirklich schön anzusehen, wie ihr alle irgendwie miteinander verbunden seid. Verbringt ihr immer zusammen eure freie Zeit? Oder gibt es Tage, wo ihr euch nicht sehen könnt oder gar wollt?“ Audrey ist die erste, die darauf antwortet. „Also, ich muss ja sagen, ich war früher eine ziemliche Einzelgängerin und oft auch ein echter Stinkstiefel. Aber hier hatte ich noch nie das Gefühl, dass mich alle anderen, na ja, total ankotzen. Im Gegenteil.“

„Neulich hab ich allein meine Familie in New York besucht, und nach nicht mal einem Tag hab ich die anderen total vermisst“, erzählt Emily und Damon kommentiert es folgendermaßen: „So ist das in einer guten Ohana.“ Irritiert sehe ich ihn an und Jesse klärt mich auf. „Das ist Hawaiianisch für Familie.“ Er klopft Damon auf die Schulter. „Das bedeutet, ihr seht euch wirklich mehr wie eine Familie, als bloße Freunde an?“, hake ich interessiert nach. „Total! Jesse und ich, wir sind ja Waisen, und obwohl unsere Pflegeeltern wirklich toll sind und wir bis heute Kontakt zu ihnen haben, fühlen wir uns bei der Squad mehr zu Hause“, erklärt Lauren und Ty stimmt zu: „Damon, ich, Audrey auch … viele von uns haben jemanden verloren, und das zum Teil sehr früh. Darum sind wir umso dankbarer für das hier.“

„Schön gesagt“, lächle ich. Leider müssen wir unsere gemütliche Brunchrunde beenden, denn es warten noch weitere Leute auf uns. „Ihr Lieben, wir würden sehr gerne mit euch auf den Jahrmarkt und dort noch jemanden treffen.“ Emily klatscht in die Hände. „Ich liebe Flohmärkte!“ Audrey sieht das genauso. „Ich auch!“, grinst sie, „konnte mir jahrelang gar nichts anderes leisten, hehe.“

„Dann würde ich sagen, wir sind dabei!“, beschließt Dave für alle. „Wunderbar.“

21534347_1713432752299053_750617446_oNachdem wir bezahlt haben, geht es geschlossen zum Jahrmarkt. Bei den vielen Leuten benötigen wir den kompletten Bürgersteig und es wird fröhlich durcheinander gequatscht. Am Zuckerwattestand treffen wir auf Casey und Scarlett, welche eine riesige, bunte Zuckerwatte in der Hand hält und lacht. „Die schaffe ich doch nie, du bist verrückt, Cas- oh, schau mal, da kommt unser Besuch!“, unterbricht sie sich, als sie unsere Truppe bemerkt. Casey trägt wie immer eine Lederjacke und hat ein breites Grinsen im Gesicht. „Ah ja, die deutschen Mädels! Und eine ganze Meute ziemlich kalifornisch aussehender Typen!“, begrüßt er uns. „Hallo, ihr beiden“, sage ich. Scarlett erwidert es mit einem: „Hi, schön euch zu sehen!“ Sie umarmt uns beide und Casey hebt lässig die Hand. „Ja, seh ich auch so. Gut, dass ihr’s hergeschafft habt.“

„Schön, dass ihr die Zeit gefunden habt“, bedanke ich mich und wir stellen ihnen die Squad Truppe vor. Die Mädels umarmen sich zur Begrüßung, die Jungs klatschen miteinander ab. Casey und Jesse scheinen gleich einen Draht zueinander zu haben und es fallen ein paar Scherze darüber, ob es sich an der Ost- oder der Westküste besser lebt. Einigen können sie sich nicht. Scarlett macht derweil ein spontanes Foto von Lauren. Als Fotografin ist sie ganz begeistert von Laurens Gesicht. Diese klaut derweil ein Stück von Scarletts Zuckerwatte. Carmi und ich tauschen bedeutungsschwangere Blicke und freuen uns diebisch, das sich alle gut miteinander verstehen. „Also gut, Leute. Was machen wir als erstes? Wo geht es hin?“, werfe ich in die Runde. „Da hinten gibt es einen Stand mit tollen Shirts! Bands und …“, beginnt Scarlett und wird prompt von Emily unterbrochen. „Sprüche? Ich liebe Shirts mit blöden Sprüchen drauf!“

„Ich glaub schon!“, überlegt Scarlett. „Oh, die find ich auch toll“, stimme ich Emily zu. „Oh nein! Wisst ihr, was ihr uns mit diesen Sprüche-Shirts antut?“, jammert Jesse. Lachend sage ich: „Jetzt wein doch nicht, Jesse. Für dich finden wir bestimmt auch ein passendes.“ Er grinst mich an. „Ich hab schon eins, von Emily. Darauf steht „Auch pummelige Einhörner brauchen Liebe“, und darunter ist ein Nashorn abgebildet. Ich weiß ja nicht, Mann.“ Scarlett lacht herzhaft und stellt fest: „Ich finde, das solltest du tragen! Kommt mit, ich zeig euch den Stand!“

Casey knurrt: „Mir hat sie neulich ein Justin-Bieber-Shirt geschenkt. Weiß nicht, was das sollte.“ Zusammen gehen wir zu dem Stand und stöbern durch die Sammlung der Shirts. Scarlett wird als Erste fündig und jubelt: „Oh, hier ist eins von den Killers! Das muss ich haben!“ Casey zieht sie liebevoll an sich. „Meine kleine Rockerbraut.“

„Erzählt mal, ihr beiden. Was habt ihr getrieben, nach dem großen Eklat?“, frage ich die zwei. Scarlett lacht noch immer ungläubig über alles. „Du meinst, nach meiner sogenannten Hochzeit? Gott, das war ein Chaos! Alle waren total außer Rand und Band. Meine Eltern, die Gäste, ich hab hunderte von Anrufen bekommen. Und der feine Herr hier hat alles verschlafen.“

„Ich war schwer verletzt“, verteidigt Casey sich grinsend. „Sobald ich aus dem Krankenhaus war, haben wir uns mein Boot geschnappt und sind erstmal abgehauen. Das war dringend nötig. Wir brauchten einfach Zeit, uns neu kennenzulernen“, erzählt er.

„Es lagen ja einige Jahre dazwischen, die ihr euch nicht gesehen habt. Hat sich viel bei dem jeweils anderen verändert?“, will ich wissen.

„Zuerst dachte ich, Scarlett wäre eine total oberflächliche Zicke. Aber das war für mich in dem Moment keine Überraschung, ich hielt sie ja eh für ein Miststück“, erinnert sich Casey, was Scarlett mit einem „Danke!“ kommentiert. „Hielt, Baby. Nicht halte“, belehrt er sie.

„Casey hat sich im Gegensatz zu mir tatsächlich verändert. Es hat gedauert, bis ich den Mann erkannt habe, der er früher mal war. Aber das ist wohl kein Wunder, wenn man so lange im Knast ist. Und ich muss sagen, dass ich beide Teile liebe. Den alten und den neuen Casey“, erzählt Scarlett und gibt ihm einen Kuss, der ziemlich innig ausfällt. „Nehmt euch doch ein Zimmer!“, ruft Jesse scherzhaft dazwischen und die beiden grinsen. „Du warst der felsenfesten Überzeugung, dass Scarlett an allem Schuld war, Casey. Wie bist du damit umgegangen, als du erfahren hast, das es nicht so ist?“

„Ganz ehrlich? Zuerst konnte ich es kaum glauben, und dann hatte ich ein verflucht schlechtes Gewissen. Ich glaub, in dem Moment wurde mir erst klar, was aus mir geworden war. Ein rachsüchtiger Arsch ohne Skrupel. Das war wie ein Blick in den Spiegel.“ Er wirkt etwas nachdenklich bei seinen Worten. „Und du Scarlett? Dir ging es ja im Prinzip genau so.“

„Für mich war es ein totaler Schock zu erfahren, wer wirklich hinter der ganzen Sache steckte. Immer wieder fragte ich mich, was geschehen wäre, wenn ich Casey früher mehr vertraut hätte. Aber die Beweise gegen ihn waren so eindeutig …“, erinnert auch sie sich und hört sich traurig an. „Dich trifft keine Schuld, Baby“, beruhigt Casey seine Freundin. „Ich weiß, aber ich hätte diese 10 Jahre trotzdem gern mit dir gehabt“, stellt sie fest und beide sehen sich einen Moment lang an. „Habt ihr euch im Nachhinein nochmal darüber unterhalten?“

„Unzählige Male! Aber wir kommen immer zu demselben Schluss: Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Wir können nur das Beste aus der Zukunft machen“, sagt Scarlett und ich nicke bekräftigend. „Ja, leider ist das wohl so. Aber jetzt habt ihr wieder zueinander gefunden und das freut uns.“ Sie lächelt ehrlich. „Danke.“ Casey unterbricht den melancholischen Augenblick und schnappt sich das Shirt aus ihren Händen. „So und jetzt gib her, ich kauf dir dieses T-Shirt.“

„Bin ich froh, dass er sein Geld nicht mehr mit Einbrüchen verdient“, stellt sie grinsend fest. „Ist er denn noch als Sicherheitsdienst tätig?“, frage ich sie. Die Mitglieder der Squad sehen sich an als hätten sie sich verhört. „’Ne richtige Gangsterbraut, die Kleine“, kommt es von Audrey. Ich richte mich an die Squad Truppe. „Es hört sich krasser an als es ist.“

„Ja, zum Glück! Da fühlt man sich selber auch gleich ziemlich sicher!“, beantwortet Scarlett meine Frage von eben. „Hoffentlich! Ich dachte, wir haben ein gefährliches Leben!“, sagt Lauren an mich gewandt. „Ich denke, jeder von euch hat auf eine gewisse Weise ein gefährliches Leben“, kommentiere ich ihre Aussage und bekomme von allen Zuspruch. „Das sind kluge Worte!“, bemerkt Ty.

„Auf jeden Fall!“, kommt es von Scarlett.

21534596_1713432768965718_1666094437_oInzwischen hat jeder ein Shirt gefunden und den Männern wurden einfach welche aufgeschwatzt, die sie sich überziehen mussten. Auf jedem ein anderer dummer Spruch und die Blicke der Passanten richten sich alle auf sie. Die Gruppe ist durch Casey und Scarlett nochmal gewachsen und gemeinsam schlendern wir weiter. Bei „Hau den Lukas“ bleiben wir stehen und ich fordere die Männer auf. „So Männer, dann zeigt mal wer stärker ist.“ Jesse lacht herzhaft: „Haha, das ist ja wohl klar! Kommt schon …!“ Grinsend seh ich zu den Jungs. „Kommt, zeigt was ihr könnt.“ Damon springt darauf an. „Also ich kann auf jeden Fall ’ne Menge!“, sagt er mit einem Seitenblick zu Jesse. „Wie wär’s mit einem Duell, Großmaul?“

„Wir sind alle dabei! Du auch, Fremder?“, wendet sich Ty an Casey. „Aber sicher doch. Sollte kein Problem sein.“

„Wie sicher ihr euch alle seid“, belächelt Dave seine Freunde. „Jetzt quatscht nicht, macht!“, verlange ich grinsend. „Der Gewinner fängt an“, erklärt Jesse und schnappt sich den Hammer. „Da ist sich einer ziemlich sicher“, sagt Emily. Die Mädels stellen sich am Rand auf und sehen gespannt zu. „Angeber“, rufe ich Jesse zu. Er zwinkert uns zu, dann hebt er den Hammer, schlägt zu und … nicht mal annähernd hat der Puk die Glocke erreicht. „Sehr schwach, Jesse“ lacht Carmi ihn aus. „Was?! Das Teil muss kaputt sein!“, rechtfertigt er seine Niederlage. „Natürlich. Was sonst!“, bestätige ich sarkastisch und Carmi schließt sich mir an. „Na klar, was sonst?!“

„Lass doch mal Damon testen, ob es wirklich kaputt ist!“, schlägt Lauren vor und ich stimme ihr zu. „Gute Idee, Lauren.“ Grinsend verschränke ich die Arme vor der Brust. „Na komm, Damon.“ Er nimmt Jesse den Hammer ab. „Du bist vielleicht Weltmeister im Surfen, aber definitiv nicht am Lukas!“, richtet er sich an seinen Freund. Auch Damon geht jetzt in Position, grinst in die Runde und lässt dann den Hammer niedersausen, wobei sich die gewaltigen Muskeln unter seinen Shirt wölben. Carmi starrt Damon ungeniert an. „Holla, die Waldfee.“ Damon lacht laut und meine Freundin wird rot. Lauren verschränkt die Arme. „Nicht umsonst ist er Halloween als Khal Drogo gegangen“, erklärt sie. Damon grinst derweil Carmi an. „Nicht schlecht, was?“ Stotternd formuliert sie ein „Ja“. Ich lache herzhaft über sie. „Nächster bitte“, fordere ich die restlichen Männer auf. „Danke“, säuselt Damon in Carmis Richtung. Noch immer breit grinsend gibt er den Hammer an Ty ab. „Oh Mann! Wie soll ich das denn jetzt schlagen?“, fragt er ungläubig. „Mit mehr Kraft vielleicht?“, schlage ich vor und Sherry meint: „Mit purer Willenskraft!“ Ty wendet sich an uns: „Ich glaub, ihr seid parteiisch!“

„Niemals. Das bildest du dir nur ein“, sage ich ernst, aber grinsend. „Ja, ja, ja …“ Grinsend wendet er sich dem Lukas zu und lässt ebenfalls den Hammer niedersausen. „Komm schon, Ty, du kannst das“, feure ich ihn an, aber auch er versagt, woraufhin Carmi losprustet. „Hey! Was ist denn da los?“, fragt er irritiert und begutachtet den Lukas, als wäre er ein fremdartiges Objekt. „Das kann meine Granny sogar besser“, stichelt Carmi.

„Ja, Ty, was ist denn da los?“, frage ich grinsend. „Damon hat das Ding manipuliert!“, mutmaßt er.

„Ganz bestimmt“, entgegne ich.

„Genug mit dem Zauber, jetzt lasst mich mal! Kann ja nicht sein, dass hier keiner Muskeln hat!“, mischt sich nun Casey ein. „Na, jetzt bin ich gespannt“, sage ich. Ty gibt den Hammer ab. „Bitte, versuch dein Glück! Ich wette, das wird auch nichts!“

„Dann seht mal genau hin!“, verlangt Casey und versucht jetzt sein Glück. „Immer diese Platzhirsche“, kommentiere ich es und sehe amüsiert zu Casey, der trifft. „Na, wenigstens ist es nicht kaputt“, sagt Carmi. Casey dreht sich grinsend um. „Das war ja wohl alles andere als schlecht, he?“

„Tja, aber die Nummer 1 steht immer noch hier!“, kontert Damon. Ich schüttle amüsiert den Kopf. Männer … so typisch. „Dave, was ist mit dir?“, frage ich ihn. „Ich werd mal sehen, wie ich mich schlage.“ Er lässt sich den Hammer überreichen und ich feure ihn an. Audrey spottet gutmütig: „Du sollst dich nicht selbst schlagen, Holzkopf.“

„Gerade noch rechtzeitig, danke Schatz.“ Er grinst sie an, dann schlägt auch er mit dem Hammer zu, so fest er kann. Das Klingeln signalisiert, das er es geschafft hat. „Definitiv nicht kaputt, Jungs“, stellt Carmi fest. Ty flucht lautlos, aber grinsend. „Tz, versteckte Talente bei unserem Doc!“

„Was schließen wir also nun daraus? Umso lauter sie schreien, desto weniger steckt dahinter“, sage ich lachend. Dave stimmt grinsend zu: „Hund die bellen, beißen nicht, oder wie sagt man?“

„Macht euch nur lustig!“, brummt Ty.

„So, und was ist jetzt der Preis? Ich hab schließlich gewonnen!“, will Damon wissen. „Ganz klar: Anerkennung“, sage ich zuckersüß lächelnd. „Oder was hast du gedacht?“

„Ein Kuss auf die Wange“, kommt es kleinlaut von Carmi. Damon zeigt auf seine Wange. „Na dann mal los!“ Sie stellt sich auf Zehnspitzen und gibt ihm einen Kuss. Damon scheint zufrieden. „Na, das nenn ich einen angemessenen Preis!“ Carmi wird feuerrot und Lauren zwinkert ihr zu. „Ja ja, er weiß schon, wie er’s anstellen muss.“

„Alle zufrieden?“ Ich sehe Carmi bewusst an, welche nur dümmlich vor sich hin grinst. „Ja …“ Die Mädels grinsen und lachen, Damon wirkt hochzufrieden. „Leute, wir müssten zum Flughafen, dort landen gleich noch weitere mit denen wir ein Date haben. Wir würden uns freuen, wenn ihr euch anschließt“, teile ich der Truppe mit. „Klar! Um wen geht’s denn?“, fragt Jesse. Ich räuspere mich und stammle: „Nun ja … es sind MMA Kämpfer.“

„Woh!“, kommt es von Ty. „Na, das klingt doch mal gut!“, sagt Damon. Diesmal werde ich rot. Alle schließen sich neugierig an und Carmi mustert mich mal wieder wissend. „Alex und Harley, die hoffentlich ihren Anhang mitbringen“, füge ich noch hinzu. Hätte ich lassen sollen. Denn jetzt richtet sich Laurens ganze Aufmerksamkeit auf mich. „Alex und Harley, soso … Kann es sein, dass die dir ganz gut gefallen?“, fragt sie.

„Mir?“ Ich klinge etwas schrill und weiß selber, das ich mich dadurch verrate. „Nein … quatsch.“

„Ach, das sehe ich doch! Ich wette das sind zwei richtige Kerle, was?“, bohrt Lauren weiter. „Ähm … ja … nein … vielleicht“, stammle ich verlegen. Scarlett findet das besonders witzig und lacht mich aus. „Also, jetzt bin ich auch gespannt auf die zwei Muskelpakete!“

„Die brauchen dich gar nicht zu interessieren“, fordert Casey von seiner Freundin.

21556933_1713432795632382_720980929_oGeschlossen machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Die Maschine ist schon gelandet und mit schlotternden Knien gehe ich in die Halle um die Neuankömmlinge zu suchen. Carmi direkt neben mir. Die restliche Truppe wartet davor auf uns. Zuerst ist von den vieren nichts zu sehen. Aber dann löst sich die Menschenmenge ein wenig auf und eine Treppe kommt in Sicht. Harley und Alex sind auf dem Weg nach unten, jeweils mit ihrer Auserwählten im Arm. Die zwei Fighter ziehen alle Blicke auf sich. Kein Wunder: Muskeln, Tattoos … Testosteron liegt in der Luft. Schwer schluckend betrachte ich die Männer von weitem. Heilige scheiße … das habe ich mir nicht gut genug überlegt. Vorsichtig trete ich auf die Gruppe zu und begrüße sie. „Hallo … wir haben ein Date.“ Alle vier blicken gleichzeitig auf, doch Alex ist der Erste, der spricht. „Buenos dias, chica!“ Er zieht mich in eine kräftige Umarmung und eine Wolke aus sportlich-männlichem Aftershave dringt in meine Nase. „Wie geht’s?“, fragt er mit seiner tiefen Stimme. Steif wie ein Brett hänge ich in der Umarmung und stammle verlegen: „Gut … danke … und dir?“

„Bestens!“ Er mustert mich grinsend, nachdem er mich aus dieser Umklammerung entlassen hat. „Hey, keine Sorge, ich plane keinen Takedown! Das war nur ’ne Begrüßung!“ Ich nicke etwas zaghaft und lächle schüchtern. „Beruhigend …Wie war euer Flug?“

„Glaub ihm kein Wort, der Junge ist ein kleiner Mistkerl!“, schiebt Harley sich dazwischen und umarmt mich ebenfalls. Wesentlich sanfter, wodurch er mir etwas mehr Luft zum Atmen lässt. „Schrecklich! Sitz mal eingezwängt neben so einem Kerl!“, antwortet Megan grinsend auf meine Frage. „Mein Beileid“, entgegne ich ebenfalls grinsend. Carmi begrüßt alle freudig. Die Jungs umarmen sie ebenfalls fest, sie haben ihre Kraft einfach nicht im Griff. „Der Trick ist, ihm ein schlechtes Gewissen einzureden. Dann verpasst er dir im Nu eine Schulter-Massage“, weiht mich Alessia in ihre Geheimnisse ein. „Merk ich mir. Danke für den Tipp.“ Sie zwinkert mir zu. „Immer gerne.“ Natürlich schnappt Carmi es auch auf und wirft mich kurzerhand den Wölfen zum Fraß vor. „Ähm, Nine hat seit Wochen Rückenweh, Alex, du kannst ihr bestimmt helfen, oder?“ Dabei lächelt sie zuckersüß und ich werde knallrot. „Bist du wohl still!“, murre ich, was sie herzhaft lachend mit „Nein“ quittiert. An manchen Tagen hasse ich sie. „Da bin ich wie ein Pfadfinder, jeden Tag eine gute Tat!“, kommt es von Alex. Carmi gefällt das wieder. „Sehr gut. Sie wird sich freuen.“

„Hier und jetzt?“, fragt Alex an mich gewandt und ich schüttle vehement den Kopf. „Nein nein … schon gut Alex.“

Er grinst. „Da will man mal was Gutes tun …!“

„Das ist bei dir ja eher die Ausnahme!“, stellt Harley fest und ich sage: „Ich weiß es zu schätzen, Alex.“

„Kommt mit raus. Draußen wartet die restliche Truppe“, fordere ich die vier auf. „Und wen habt ihr uns mitgebracht?“, fragt Alex.

„Eine ganze Gruppe Surfer“, grinse ich. „Das ganze Gegenteil von euch.“

„Hey, sag das nicht! Megan hat in Puerto Rico surfen gelernt. Und Alex hat sich auch mal dran versucht …“, erzählt Harley, woraufhin Alex sagt: „Halt bloß die Klappe, muchacho!“

„Ach tatsächlich? Na dann kann das ja richtig gut funktionieren“, stelle ich fest.

Zusammen gehen wir raus und ich stelle alle untereinander vor. Die Fighter begrüßen die Surfer sowie Casey und Scarlett per Handschlag. Auf Anhieb scheinen sich alle zu verstehen. Die Squad macht es allen anderen auch leicht, aber auch Harley und Alex wissen mit ihrer selbstbewussten Art zu überzeugen. Schmachtend sehe ich den beiden Männern zu. Zuviel von allem für mich. Ich räuspere mich: „Wir würden sehr gerne mit euch zum Strand gehen, ein kleines Lagerfeuer machen. Dave hat uns zwei Gitarren versprochen und Corona.“

„Ich würde sagen, wir sind dabei!“, kommt es von Alessia und Megan sagt: „Klingt romantisch.“

„Super. Dave, die beste Stelle am Strand ist wo?“, frage ich ihn. „Keine Frage – direkt vor Jesses Haus.“

„Dann dahin. Du musst uns den Weg zeigen.“, bitte ich ihn. Wild durcheinander quatschend gehen alle mit. Beruhigend das sich alle so gut verstehen, wo sie doch so unterschiedliche Menschen sind. Ein bisschen Bammel hatte ich ja schon vor dem Treffen. Aber es scheint alles gut zu werden. Vor allem Damon und Jesse zeigen sich interessiert an den Fightern und dem, was sie so tun. Lauren hingegen kann sich den ein oder anderen Blick auf die trainierten Rückseiten der zwei nicht verkneifen. Nachdem sich Damon vorhin so feiern lassen hat, ist das nur fair. Ich knuffe Lauren und grinse: „Ich scheine wohl nicht die Einzige zu sein, die da gerne hinsieht.“ Sie zwinkert mir zu. „Oh glaub mir, auch ich weiß einen guten Hintern zu schätzen!“ Carmi hat ihre Augen schon wieder bei Damon. Er hat es ihr besonders angetan. Alex, der das Gespräch mitbekommen zu haben scheint, zwinkert uns über die Schulter zu. Ich werde rot. „Dreh dich wieder um, Alex. Lauf weiter und lass es über dich ergehen“, sage ich und er lacht laut. „Wie du willst, chica!“ Er dreht sich um und lässt uns weiter seinen Hintern bewundern, der in knackigen Jeans steckt. „Warum müssen amerikanische Männer immer so gut aussehen?“, seufze ich.

„Tun deutsche Männer das etwa nicht? Da gibt es doch diesen Mats Hummels …“, will Lauren wissen. „Glaub mir, meiner Meinung nach, gibt es unter 100 gerade mal einen, der nach was aussieht.“ Carmi lacht wegen meiner Aussage und ich schimpfe: „Lach nicht!“

„Oh je! Dann solltet ihr dringend zu uns ziehen!“, schlägt Lauren vor. „Nichts lieber als das“, gebe ich zurück und lache: „Ich bleib gleich hier.“ Lauren ruft in die Runde: „Hey Leute, wir haben ein neues Squad-Mitglied!“ Die Surfer jubeln. „Aber das Surfen muss ich erst lernen.“

„Jesse kann’s jedem beibringen!“, sagt Lauren ganz selbstverständlich. „Sehr gut. Dann brauch ich ja nur noch ‘ne Wohnung.“

„Du kannst das Gästezimmer haben!“, kommt es von Jesse und ich lache. „Wie nett von dir. Du willst doch nur, dass ich dir zeige, wie das mit dem „Hau den Lukas“ funktioniert.“

„Ich bring dir Surfen bei, du mir diese Lukas-Sache! Deal?“

„Deal!“ Ich reiche ihm meine Hand und er schlägt ein. „Ich freu mich drauf!“

„Und ich mich erst.“

21557266_1713432968965698_148715758_oNach geraumer Zeit kommen wir am Strand an. „Fast wie zu Hause, he?“, sagt Harley mit Blick aufs Meer. „Nur nicht so unerträglich heiß!“, kommentiert Alessia. „Aber das kriegen wir hin“, wirft Alex ein und deutet an, sein Shirt auszuziehen. „Oh Gott … bitte nicht“, jammere ich und halte mir die Augen zu. Für einen Moment blitzen die Tattoos an Alex‘ Oberkörper auf, aber er lässt das Shirt rechtzeitig wieder sinken. „Du bist so ein Angeber“, stellt Alessia fest und schüttelt lächelnd den Kopf. „Um Himmelswillen!“ Mein Gesicht glüht förmlich. „Dave, wo ist das Bier?“, frage ich ihn, in der Hoffnung mich ablenken zu können. Er salutiert wie heute Vormittag. „Schon unterwegs!“ Er geht schnell rein und Audrey kommt mit, um ihm mit den Gitarren zu helfen. Jesse macht in der Zeit das Feuer, und zumindest bei ihm, Ty und Damon fallen die Shirts nun doch. Surfer bleibt eben Surfer … Um mich abzulenken helfe ich beim Lagerfeuer. Dave bringt schnell das Bier in einer Schubkarre mit Eis und verteilt zuerst Flaschen an Carmi und mich. „Danke schön.“ Sobald das Feuer brennt setze ich mich hin und kremple meine Hosenbeine hoch. „Ihr habt es ja schon schön hier“, schwärme ich und bekomme von Lauren als Antwort: „Ja, das ist ein richtiges Zuhause für uns alle.“

„Glaub ich gern. Wer findet es nicht schön, morgens aufzuwachen und das Meer vor der Tür zu haben?!“, sage ich. Die anderen setzen sich auch alle um das große Feuer. Es wird mit Bier angestoßen. Alessia bringt einen italienischen Trinkspruch. Alex hebt die Hand: „Ich.“

„Du? Wieso?“, will ich wissen und wende mich ihm zu. „Nachdem wir die Staaten verlassen mussten, als ich noch ein Junge war, haben wir eine Weile alle zusammen in einem Strandhaus in Puerto Rico gelebt. Weit ab vom Schuss. Ich hab mich zu Tode gelangweilt und konnte es gar nicht erwarten, in die Stadt zu ziehen, wo es etwas mehr Leben gibt“, erklärt er.

„Du meinst Frauen“, wirft Alessia ein.

„No, Leben“, beharrt er.

„Leben zwischen den Schenkeln einer Frau“, stichelt sie weiter. „Nein!“

„Aber ihr seid ja wegen eines driftigen Grundes weggezogen. Konntest du dich nie damit anfreunden? Es war besser für euch alle, oder siehst du das nicht so?“, unterbreche ich die beiden. „Du hättest froh sein sollen!“, sagt Harley.

„Es war eine Flucht, obwohl wir mit den Menschen, die verantwortlich waren, noch nicht fertig waren. Es war falsch“, verteidigt Alex seinen Standpunkt. „Es ging darum, die Familie zu schützen. Auch dich“, erinnert Harley ihn. „Mich hat aber keiner gefragt.“ Alex‘ Blick duldet keinen Widerspruch. „Du stehst immer noch hinter deiner Rache?“, frage ich vorsichtig. „Absolut! Es musste für Gerechtigkeit gesorgt werden.“

„Aber was hat es dir genau gebracht?“, frage ich.

„Diejenigen, die schuld am Tod meines Vaters sind, haben für ihre Sünden gebüßt beziehungsweise tun es noch. Außerdem …“, er zieht Alessia in seinen Arm, „… sie natürlich.“

„Mag sein, Alex. Aber was hat es DIR gebracht? Außer dass du zufrieden mit dem Urteil dieser Menschen bist. Hat es dich weiter gebracht?“, bohre ich weiter. „Auf gewisse Weise hat es mir Frieden gegeben.“

„Was heißt auf gewisse Weise?“ Alex blickt nachdenklich ins Feuer, ehe er antwortet. „Kennst du das Gefühl eine offene Rechnung zu haben? Wenn dir etwas keine Ruhe lässt, dich nächtelang wachhält und dafür sorgt, dass du immer wütend bist? Diese Rechnung habe ich begleichen können.“ Ich nicke nachdenklich. „Ja, kenn ich gut.“

„Dann weißt du, wovon ich rede.“

„Schon, auch wenn ich nicht unbedingt dein Handeln befürworte“, sage ich.

„Warum nicht, chica?“, will er wissen.

„Vielleicht hätte man es anders regeln können, ohne dass du dich in Lebensgefahr begibst“, versuche ich zu erklären. Alex sagt mit einem angedeuteten Grinsen: „Ich bin nicht so leicht in Lebensgefahr zu bringen, glaub mir.“

„Das sagst du jetzt. Aber was ist wenn doch?“ Ja, ich kann es nicht lassen. „Wenn es das wert ist, nehme ich es jederzeit in Kauf“, sagt er und ich sehe ihn direkt an. „Man kann immer in Lebensgefahr sein, wenn man zu viel riskiert!“

„Rede nicht so!“, kommt es von Alessia und Carmi fragt ihn: „Denkst du nicht dabei auch an Alessia?“ Alex sieht uns beide abwechselnd an. „Alessia ist mein Leben. Und sie ist der einzige Grund, aus dem ich mich jetzt noch in Gefahr begeben würde. Um sie zu schützen, würde ich alles tun. Auch sterben wenn es nötig wäre. So sehe ich die Sache.“

„Wow … ich ziehe doch nach Amerika“, erkläre ich nach dieser Aussage. „Ja, hier gibt es noch echte Helden“, sagt Lauren. Währenddessen sagt Harley zu Alex: „Du bist ein Idiot.“

„Als würdest du für Megan nicht dasselbe tun.“ Harley knurrt etwas Unverständliches und blickt ins Feuer. Ich wende mich an Lauren: „Sieht so aus. Gibt es da einen Katalog, wo man sich bestimmte Eigenschaften aussuchen kann, um den passenden zu finden?“

Sie lacht. „Glaub mir, den brauchst du gar nicht! Die guten Männer wachsen hier an den Bäumen!“

„Gut zu wissen. Ich geh mal am nächsten schütteln.“

„Aber pass auf, dass du keine Kokosnuss auf den Kopf bekommst!“, warnt mich Ty.

„Nehm ich auch. Ich mag Kokosnüsse.“ Ty wirft einen Blick in Sherrys Dekolleté. „Die mögen wir alle!“

„Oh, ganz flach, mein Lieber!“, tadelt ihn Sherry und ich lache. „Das geht doch bestimmt besser.“

„Hey, ich bin ein direkter Typ! Habt Erbarmen!“, bettelt er.

„Audrey, wie sieht‘s aus, spielst du uns etwas?“, frage ich.

„Das lass ich mir nicht zweimal sagen!“ Sie schnappt sich eine Gitarre. „Spezielle Wünsche?“, will sie wissen und ich nicke. „Ich hab seit ein paar Tagen einen Ohrwurm. Purple Rain.“

„Einer meiner Lieblingssongs! David?“, kommt es von ihr. „Schon dabei.“ Er greift nach der zweiten Gitarre. „Mädels, Jungs! Ruhe am Feuer!“, bestimmt Jesse und alle schweigen. Audrey schließt die Augen und gibt den Takt vor, indem sie ein paar Mal auf das Holz der Gitarre klopft. Dann beginnt sie zu spielen und Dave, der gar nicht nach einem Musiker aussieht, stimmt gekonnt mit ein. Mit rauchiger Amy-Winehouse-Stimme singt Audrey: „I never meant to cause you any sorrow …“ Carmi scheint geflasht, ich bekomme Gänsehaut und bin komplett gefangen. „Unglaublich toll“, flüstere ich. Audrey fährt fort: „I never meant to cause you any pain …“ Auch wenn sie nicht gerade die feinfühligsten Kerle zu sein scheinen, lauschen sogar die zwei Fighter. Der Text scheint jedem in der Runde etwas zu sagen. Jesse, der die Squad in Sorge versetzte, als er sich mit einem Hai anlegte. Damon und Lauren, die sich bis aufs Blut bekriegten, ehe sie sich ihre Gefühle füreinander eingestehen konnten. Harley und Megan, die für das, was sie heute haben, auf Leben und Tod kämpfen mussten. Und sogar der stolze Alex hat hierzu keinen passenden Kommentar. Denn auch er hat anderen Sorge bereitet. Ich blinzle und räuspere mich. Leise stimme ich beim Gesang mit ein und auch Carmi singt leise mit. Audrey öffnet die Augen und lächelt zu uns herüber. Auch Dave unterstützt jetzt den Gesang und Emily sowie Ty tun es uns nach einem Moment gleich. Der Rest lauscht schweigend, jeder seinen eigenen Gedanken nachhängend. Alessia lehnt sich an Alex. Megan lächelt Harley an. Die Stimmung ist wunderschön und langsam geht die Sonne unter und macht es nochmal besonders. Nachdem Audrey und Dave mit ihren Gitarren den Song beenden, bin ich ganz nah am Wasser gebaut. „Was für eine wunderschöne Atmosphäre“, stelle ich fest. Die Squad klatscht und jubelt. Casey hat die Arme um Scarlett gelegt, die ebenfalls Tränen in den Augen hat. Lauren sagt mit Blick zum Wasser: „Ja, es ist schon etwas ganz Besonderes hier.“

„Allmählich kann ich euch verstehen, wieso ihr so gerne hier lebt“, bemerke ich.

„Glaub mir, von uns geht keiner hier weg!“, sagt Lauren und Scarlett fragt: „Habt ihr noch Platz?“

Ich lache. „Stell dich hinten an, Scarlett.“

„Erst willst du in die Wüste, jetzt willst du ans Meer …“, meckert Casey und Scarlett lacht auch. „Ich seh schon, die Plätze sind begehrt!“

„Wer spielt als nächstes ein Lied?“, frage ich.

„Dave ist an der Reihe“, sagt Audrey.

„Was hättet ihr denn gerne?“, will er wissen. Ich sehe interessiert zu ihm. „Völlig egal. Was hast du im Angebot?“

„Ich glaub, ich hab da schon was“, sagt er mit einem leichten Grinsen und stimmt einen Jack-Johnson-Surfersong an. Ich lache. „Das war irgendwie vorhersehbar.“ Dave hat eine tiefe, männliche Stimme, die zugleich sehr warm klingt. Die sonst so toughe Audrey himmelt ihn an. Auch ich himmle ihn an. Musiker haben schon immer etwas in mir ausgelöst. Das scheint Audrey nicht anders zu gehen. Auch Lauren lauscht ihrem Ex begeistert, obwohl ihr Herz jetzt ganz Damon gehört. „So, jetzt steht es fest, ich bleibe hier. Singende, hübsche Männer. Was will man mehr?“

„Na, dann war das doch ein erfolgreicher Nachmittag!“, stellt Lauren fest und Jesse sagt: „Willkommen in der Squad!“

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©Josie, Nine, Carmi

Josy in ihrem Element

Ich hatte keine Ahnung, wie das passieren konnte. Zo hätte noch viel weitergehen, mehr bekommen können, aber mein Kopf hatte sich rechtzeitig wieder eingeschalten. Wobei rechtzeitig wohl nicht der richtige Begriff dafür war, immerhin hatte ich sie geküsst. Verschlungen könnte man fast sagen.

Jetzt, drei Stunden nach diesem Vorfall, einer kalten Dusche und dem Versuch mich nicht so schlecht zu fühlen, stand ich meiner engsten Vertrauten gegenüber, die mich musterte als sei ich geistesgestört, was wohl irgendwie der Fall sein musste.

„Das ist ein Witz?!“, stellte sie fragend fest und ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. Josys Augen weiteten sich.

„Du hast gesagt, du willst sie nicht zurück, als wir das letzte Mal telefoniert haben und ich dich danach fragte, was du tun wirst, wenn du ihr begegnest.“ Ich nickte.

Sie hatte vollkommen recht, genau das hatte ich ihr geantwortet.

„Und nun stehst du hier, sagst mir, dass du sie geküsst hast und beinahe mit ihr im Bett gelandet wärst?“ Wieder nickte ich und mein Blick haftete am Boden. Ich zählte die Kieselsteine, nur um sie nicht ansehen zu müssen.

„Was zum Teufel ist los mit dir, Deacon?“

Hilflos zuckte ich mit den Schultern und ließ die Moralpredigt über mich ergehen. Sie war die Einzige, die so mit mir sprechen durfte – mal abgesehen von April. Ihre Worte drangen nur nicht zu mir durch, weil ich gedanklich bei meinem schlechten Gewissen gegenüber Annie war.

Wie sollte ich ihr das nur erklären? Bevor ich in den Flieger stieg, fragte sie mich, ob sie sich Sorgen machen müsste. Ich sagte ihr, das Zoey keine Rolle mehr in meinem Leben spielte.

Tja … man sah ja, was dabei herauskam.

 

 

© J.M.Ash

Erster Fehler

Sie stand immer noch auf der anderen Seite der Küche und starrte mich an. Mein Handy landete nach dem Gespräch mit Annie wieder in meiner Tasche und ich sah Zo grimmig an.

„Was willst du?“ Es kam wesentlich giftiger über meine Lippen, als ich wollte, aber sie … sie … ach verdammt. Zoey bewirkte noch immer etwas in mir, das ich dort nicht haben wollte. Es durfte einfach nicht vorhanden sein. Es musste weg. Sie musste weg. Aus meinem Sichtfeld. Meinem Leben. Meinen Gedanken. War das denn so schwer zu verstehen? Hatte ich gestern nicht eindeutige Signale gesendet?

„Können wir bitte reden, Deac?“ Ich hasste es, wenn sie mich so nannte, obwohl ich es immer geliebt hatte, wenn sie meinen Namen so aussprach. Man, war das verwirrend.

„Worüber? Ich wüsste nicht, was wir beide zu bereden hätten.“ Sie sah mich mit aufgerissenen Augen an. Ich wusste genau, was in ihrem Kopf vor sich ging. Sie fragte sich, wie ich es nur einfach so abtun konnte, nach allem, was zwischen uns war. Sie wollte Antworten auf ihre Fragen. Aber die wollte ich damals auch und bekam sie nicht. Nur ein beschissenes „Es tut mir leid“ hatte sie für mich. Sie verstrickte sich in Ausreden, in Ausflüchte und ich blieb einfach zurück. Ganz unten am Boden.

Auch, wenn ich ihr damals sagte, es wäre okay und ich bräuchte einfach nur Zeit, so war das gelogen. Ich ertrug sie nicht mehr in meiner Nähe. Ich … naja … ich war verletzt, gekränkt. Irgendwo besaß ich noch ein Stückchen Stolz und Würde, und die war ich nicht bereit aufzugeben für diese Frau. Sie konnte sowieso machen was sie wollte mit mir, ich lief ihr wie ein bekloppter Dackel nach, bettelte und winselte. So tief trieb mich diese eine Frau. Schande, ich war ein Mann und wollte nicht weiter ihr Fußabtreter sein. Es gab schließlich eine Grenze, oder etwa nicht?

„Können wir nicht eine Lösung finden? Ich möchte nicht, das wir uns hassen. Oder das du mich hasst.“ Schon klar. Das, was sie wollte, war, das ich sie liebte. Und bei Gott, irgendwo tat ich das auch immer noch. Aber es waren drei Jahre vergangen. Ich hatte darum gekämpft, das mein Herz heilte. Noch einmal würde ich das nicht überstehen.

„Was glaubst du eigentlich, wie das gehen soll?“, wollte ich ernsthaft wissen. Es interessierte mich tatsächlich, wie sie sich das in ihrem hübschen Köpfchen vorstellte. Sie sah mich eine gefühlte Ewigkeit stumm an. Ihre Augen schimmerten verdächtig und mein dummer Körper machte sich selbstständig, gehorchte mir nicht mehr. Meine Beine setzten sich in Bewegung und meine Füße trugen mich zu der Frau, die ich einst geliebt hatte, und die mir trotz allem immer noch etwas bedeutete. Zu viel.

Kurz vor ihr stoppte ich und sah auf sie herab. Sie hob den Blick um mich anzusehen. Und dann setzten sämtliche Funktionen in meinem Kopf aus. Ich packte sie an den Hüften und hob sie hoch. Zo schlang wie von selbst ihre Beine um mich und ich stemmte sie gegen die Wand in ihrem Rücken. Blackout.

 

 

© J.M.Ash

Annie

Am Morgen danach, nachdem sich alle darüber ausließen wie froh sie doch waren, dass ich zurück war, wachte ich in meinem alten Bett auf und hatte einen mordsmäßigen Kater. Kaum in Nashville, schon verfiel ich in alte Muster. Dabei hatte ich in den letzten drei Jahren wirklich viel geändert. Ich trank kaum noch etwas, und wenn dann nur soviel um nicht mit so einem Schädel aufzuwachen wie jetzt.

Zo … sie war Schuld daran. Ich schob meinen Zustand einfach ihr in die Schuhe. Wäre sie nicht aufgetaucht, hätte nicht versucht mit mir zu reden, geschweige denn mir nahe zu sein, würde ich jetzt nicht hier liegen und darüber nachdenken, wann der nächste Flug zurück ging. Ich wollte nur noch weg.

Mit schmerzendem Kopf stand ich auf und schlich nach unten in die Küche. Keiner war da. Alle rannten garantiert irgendwo im Garten herum um den heutigen Hochzeitstag meiner Eltern vorzubereiten. Eigentlich hätte ich wissen müssen, das diese Tage hier sehr feuchtfröhlich werden würden. Nur hatte ich Zoey nicht mit eingerechnet.

Ja, ich hatte in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, sie einfach zu vergessen, was gar nicht so leicht erschien. Früher wollte ich nie den Leuten glauben, dass die erste Liebe sich ins Gedächtnis einbrannte, aber das tat sie und ich hasste sie dafür. Welcher dämliche Idiot hatte sich diesen Mist einfallen lassen? Eigentlich gehörte derjenige bestraft.

Ich nahm mir zwei Aspirin aus dem Schub und füllte ein Glas mit Wasser. Beides nahm ich zu mir und hoffte inständig, man würde Erbarmen mit mir haben.

„Guten Morgen.“ Da war sie wieder. Warum zum Teufel war sie hier? Und dann noch zu so unmoralisch früher Stunde? Hatte sie nichts besseres zu tun, als sich schon wieder in mein Leben zu schleichen? Ich drehte mich zu ihr um und sah sie finster an. Sie sollte sich bloß keine Hoffnungen machen.

Zo war im Begriff etwas zu sagen, als mein Handy klingelte. Ich zog es aus meiner Hose, die ich scheinbar gestern noch nicht einmal mehr schaffte auszuziehen, und sah aufs Display. Annie. Ich atmete tief ein und nahm das Gespräch an.

„Hey Süße“, begrüßte ich meine Frau – von der bis heute niemand wusste.

„Honey. Du hörst dich nach einer durchzechten Nacht an. War das Begrüßungskomitee erbarmungslos?“ Im Gegensatz zu meiner Familie, wusste Annie von jedem hier, selbst von Zoey.

„Kann man so sagen, ja.“ Ich konnte hören wie sie leise lachte, es aber versuchte zu vertuschen. „Lach du nur“, brummte ich. „Wenn du wieder Zuhause bist, pflege ich dich gesund.“ Grinsend stellte ich mir ihre Pflege vor und freute mich schon jetzt darauf.

Annie lernte ich vier Monate nachdem ich in Boise ankam kennen. Sie war jedes Wochenende mit ihren Mädels in der Bar in der ich arbeitete – wenn ich nicht gerade auf der Bühne stand. Ich hatte ja gesagt, ich sei kein Rockstar, nur ein Musiker der nach Lust und Laune spielte. Irgendwann kamen wir ins Gespräch, trafen uns zum Kaffee, und lernten uns kennen. Mein erstes Mal. Im wahrsten Sinne des Wortes. So einen Verlauf hatte ich bisher nie. Es dauerte knapp zwei weitere Monate bevor wir uns näher kamen, und nochmal ein halbes Jahr bis wir zusammenzogen. Vor einem dreiviertel Jahr hatte ich Nägel mit Köpfen gemacht und sie geheiratet. Spontan, versteht sich. Pläne gingen bei mir sowieso nie auf. Aber bisher bereute ich es nicht.

„Süße, ich habe gerade nicht so viel Zeit. Kann ich dich später anrufen?“ Ich füllte mich irgendwie nicht wohl dabei, vor Zo mit meiner Frau zu sprechen. „Klar. Melde dich, wenn du Zeit hast“, kam es verständnisvoll von ihr. Wieder grinste ich dämlich, weil sie einfach perfekt war. „Deacon?“

„Mmh?“

„Sag es ihnen endlich“, verlangte sie. Es war nicht das erste Mal, das sie mir das sagte, und allmählich war ich es leid, aber sie hatte recht: Ich musste es meiner Familie sagen.

 

 

© J.M.Ash

Zoey

Liebe!

Was war das eigentlich?

Es gab tausend Beschreibungen dafür. Millionen Mythen, die in diesem Zustand eintreten sollten.

Angefangen bei einem leichten Kribbeln auf der Haut, wo das Gegenüber einen berührt hatte, bis hin zu Tornadoähnlichen Schmetterlingsschwärmen im Bauch. Angeblich dachte man immer nur an die eine Person.

Aber wie fing so etwas denn an? Verknallt sein? Verliebt sein? Woher wusste man denn, das man eben das war? Was war denn, wenn man nicht diese ganzen komischen Empfindungen hatte, von denen alle Welt redete? Ich, für meinen Teil, hatte so etwas früher nie. Wahrscheinlich hätte ich einen Arzt aufgesucht, wenn mir das widerfahren wäre – dachte ich.

Sollte nicht heißen, dass ich noch nie eine Frau im Bett hatte. Oh doch, da gab es viele. Mein Bettpfosten alleine, reichte für die Kerben nicht mehr aus – damals. Man hätte mich tatsächlich als männliche Hure schimpfen können, was mich persönlich überhaupt nicht tangierte. Ich war eben kein Kostverächter. Man sollte sein Leben genießen, solange man konnte und jeden Tag nutzen, als wäre es der letzte. Was sollte daran verboten sein?

Gut, es gab schon die ein oder andere Frau, die sich angeblich unsterblich verliebt hatte in mich, aber wie konnte man das behaupten, wenn man nur eine Nacht miteinander verbracht hatte? Ging das überhaupt? Oder war das einfach nur Träumerei? Ich meine, mir sollte das egal sein, denn mich interessierte es nicht und das bekamen die Damen auch gesagt.

Jetzt fragte sich bestimmt jeder, ob ich überhaupt irgendeine emotionale Regung verspürte, wenn ich schon so kaltherzig Abfuhren erteilte. Ja, hatte ich tatsächlich. Bei meiner Schwester und allgemein bei meiner Familie, aber bei ihr am meisten. Mein kleiner Engel. Okay, ganz so klein war sie nun nicht mehr, aber immerhin einen Kopf kürzer, wie ich. Mehr Gefühl ging nicht.

Ja, dachte ich, aber ich irrte mich. Bis SIE plötzlich vor mir stand und mir an den Kopf geworfen hatte, dass sie in mich verliebt sei. Wir waren jahrelang Freunde. Sehr gute sogar. Sie hatte mich unterstützt, stand mir bei, half mir und tröstete mich auch. Wir waren ein Dreamteam. Uns konnte niemand etwas vormachen. Wir hatten den selben schrägen Humor, schikanierten wahnsinnig gerne unsere Freunde und bombardierten uns gegenseitig mit den frechsten Sprüchen. So war es einmal.

Doch dann hatte ich sie geküsst. Es war nur ein Kuss, aber der schlug ein wie eine Bombe. Auf einmal sah ich sie mit ganz anderen Augen und konnte mir keinen Reim darauf machen. Zo … meine Zo … die Zo, die mein Herz durch die Mangel nahm und es in tausend Teile brach.

Und genau diese Frau stand nun, zwei Stunden später, vor mir, sah mich mit ihren großen Augen an, in denen Hoffnung lag. Hoffnung darauf, dass ich zu ihr zurück kam, wir es noch einmal versuchten – so schätzte ich es zumindest ein. Nur gab es da ein Problem. Ein gravierendes, um genau zu sein.

Wäre ich doch nur ins Bett gegangen oder in irgendeine Bar anstatt hier zu bleiben. Es war klar, dass auch SIE hier erscheinen würde. Der verlorene Sohn war zurück, Zo konnte hoffen, mich am besten wie damals zur Hochzeit von April in die nächstbeste Scheune zerren, mich ansehen und schon würde ich über sie herfallen. Schande, wie sich das anhörte. Eigentlich war es so nicht mal annähernd.

Ich wich ihrem Blick aus, versuchte sie zu ignorieren, was gar nicht so einfach war. Diese Frau war die erste, die in mir Gefühle weckte, die mich und mein Herz zu Boden riss, genüsslich darauf herumtrampelte und nun wieder alles auf den Kopf stellte. Dabei war ich doch genau davor geflohen.

 

 

© J.M.Ash